Neuwied

Jüdische Gemeinde Neuwied – Mittelrhein Alte Synagoge Saffig

Kontakt:
Jüdische Gemeinde Neuwied – Mittelrhein e.V.
Alte Synagoge Saffig
Am Klöppelsberg
56648 Saffig

E-Mail: jgm-neuwied-mittelrhein(at)t-online.de

Gottesdienstzeiten: auf Anfrage

Liberale Juden aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz trafen sich 2006 in Neuwied zu einem egalitären Minjan, einer Betergemeinschaft, die für Jüdinnen und Juden gleiche Rechte und Pflichten beinhaltet, zum Beispiel, dass auch Jüdinnen zur Zehnzahl der Beter gerechnet, zur Lesung aus der Thorarolle aufgerufen oder selbst G´ttesdienste abhalten können. Die liberalen Juden Neuwieds nannten sich Netiwot Haschalom – Pfade des Friedens – um an die Ziele von Moses Mendelssohn zu erinnern, der zur Zeit der Aufklärung seine eigene Übersetzung der hebräischen Bibel in die deutsche Sprache so genannt hatte.

Im Dezember 2007 gründeten elf Mitglieder von Netiwot Haschalom die Jüdische Gemeinde Neuwied – Mittelrhein. Sie knüpften damit bewusst an die Neuwieder Nachkriegsgemeinde an, die bis 1952 bestand, und sahen sich in der Pflicht, die Riten und Gebräuche des in der Schoah untergegangenen rheinischen Judentums zu pflegen und wiederzubeleben. 2008 erhielt die Gemeinde den Status eines Eingetragenen Vereins und der Gemeinnützigkeit zuerkannt. Seit 2010 ist sie als eine Betergemeinschaft – Chawurah – ordentliches Mitglied der Union Progressiver Juden in Deutschland.

Da die Synagoge und die jüdische Schule als Ort des Lernens und des Gebets seit 1938 in Neuwied nicht mehr zur Verfügung stehen, ergriff man das Angebot des Förderkreises der Synagoge Saffig, in der dortigen wiederhergestellten Synagoge, die den Krieg überdauert hat, zu G´ttesdiensten an Schabbat und den Feiertagen zusammenzukommen. Das um 1990 restaurierte altehrwürdige jüdische Haus des Gebets, 1840 – 1845 erbaut, sollte nach dem Willen des Förderkreises keine museale Gedenkstätte sondern wieder eine lebendige Synagoge werden. Aber bis dahin gab es keine Menschen jüdischen Glaubens, die dort zum Gebet zusammenkamen. Saffig liegt in der Vulkanlandschaft der Pellenz um den Lacher See auf der anderen Rheinseite in nur geringer Entfernung zu Neuwied. Die Jüdische Gemeinde Neuwied – Mittelrhein e.V. hat dort ihre Heimstätte gefunden.

Eine koschere Thorarolle war schon früh vorhanden, sodass der Ausspruch unserer Weisen „wo eine Thora ist, versammeln sich auch jüdische Menschen“ seine Gültigkeit bewies. Neben der hebräischen wird aber auch die deutsche Sprache gesprochen. So können alle Betenden aktiv an den G´ttesdiensten und festtäglichen Zusammenkünften teilnehmen.

Von Beginn an leistet die Gemeinde ihren Beitrag zur Integration von Juden in die umgebende Gesellschaft und pflegt seit Jahren ein offenes Verhältnis mit anderen Religionsgemeinschaften. 1937 sagte Martin Buber angesichts der das jüdische Leben erschreckend bedrohenden Umwelt noch in Deutschland: „Der Bund ist uns nicht aufgekündigt worden.“ Er sollte Recht behalten. Nach der Schoah haben Menschen verschiedenster Glaubensrichtungen nicht nur für das Geschehene Scham empfunden, sondern in ihrer theologischen Bewertung den Bund mit dem Volk der Bibel bestätigt. Das öffnet die Tore zu Dialog und interreligiöser Begegnung.

Impressionen der Synagoge Saffig

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Bild links: Postkartenbild der alten Synagoge und jüdischen Schule in Neuwied. Die Synagoge von 1748 wurde am 9. November 1938 zerstört und in Brand gesteckt, bereits am 10. gesprengt und die Trümmer abtransportiert. Das Foto wurde 1938 im fürstlich-wiedischen Archiv unter Lebensgefahr von einer erhaltenen Postkarte gemacht.