Anschlag auf jüdisches Gemeindezentrum in Pinneberg

Die Union progressiver Juden in Deutschland ist entsetzt darüber, dass in der Nacht des 9. November 2013, genau 75 Jahre nach der Pogromnacht von 1938, ein Anschlag auf die Synagoge einer ihrer Mitgliedsgemeinden verübt wurde. Es wird dadurch deutlich, wie nötig es weiterhin ist, alle Anstrengungen zu unternehmen, um in der Bundesrepublik Deutschland eine Gesellschaft zu etablieren, zu der das Judentum als selbstverständlicher Teil gehört und in der religiöse und kulturelle Vielfalt Werte sind, die allgemein geschätzt, angestrebt und gesichert werden. Wir haben volles Vertrauen, dass die Sicherheitsbehörden alles unternehmen werden, um die Täter des Anschlags in Pinneberg zur Verantwortung zu ziehen.

Das Hamburger Abendblatt schreibt:

Pinneberg: Wolfgang Seibert ist schockiert. Ausgerechnet zur Reichs-Pogromnacht zerstörten unbekannter Täter die Glastüren am Eingang zur Synagoge der Jüdischen Gemeinde Pinneberg am Clara-Bartram-Weg 14. „Es wurde mit einem spitzen Gegenstand auf die Glasscheiben geschlagen“, sagt der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Pinneberg dem Hamburger Abendblatt.

„Das ist kein antisemititscher Übergriff, wie wir ihn leider immer wieder erdulden müssen, das ist zum 75. Jahrestag der Reichs-Pogromnacht ein gezielter Anschlag, der uns sagen soll, ‚wir sind noch da, wir können es immer noch – euch Juden vernichten'“ sagt Seibert.
Die Zerstörung entdeckte ein Gemeindemitglied, das abends und morgens einen Kontrollgang um die Synagoge macht. „Um 19 Uhr am Sonnabend war noch alles in Ordnung“, sagt Seibert, „am Sonntagmorgen um 8.30 Uhr hat unser Mitglied die mutwillige Zerstörung entdeckt und mich informiert.“

Er habe dann sofort die Pinneberger Polizei benachrichtigt. „Die Löcher im Glas neben der Eingangstür haben unterschiedliche Tiefen und liegen dicht nebeneinander. Es sieht aus, als hätte jemand mit einem spitzen Hammer zugeschlagen“, sagt Seibert. Von einem Überfall mit einer Schusswaffe könne aber nicht ausgegangen werden, da die Löcher in dem Fall eine gleich große Tiefe aufweisen würden. Auch fanden bis jetzt weder Polizei noch Gemeindemitglieder Geschosshülsen.

„Das wird jetzt weiter vom Staatsschutz untersucht“, sagt Seibert. Ein Einbruch vermutet Seibert nicht, denn der Angriff sei auf der Vorderseite der Synagoge verübt worden, Einbrecher würden durch den hinteren Gebäudeteil einsteigen. Der Gemeinde-Vorsitzende fühlt sich „sehr schlecht“, zumal er selbst bis vor kurzem wegen Übergriffe von Neonazis und radikaler Islamisten unter Polizeischutz stand.

„Ich werde jetzt sofort verstärkt Bewegungsmelder einbauen, vor allem auch gezielt auf der Vorderseite der Synagoge und im Eingangsbereich“, sagt Seibert.
Im September 2010 hat die Jüdische Gemeinde Pinneberg ihre Synagoge am Clara-Bartram-Weg bezogen.

Von Anbeginn an baut die liberaljüdische Gemeinde mit 260 Mitgliedern auf ein offenes Konzept und öffnet die Synagoge auch nichtjüdischen Bürgern.

von Heike Linde-Lembke, Hamburger Abendblatt