UPJ tief besorgt über Frauendiskriminierung an der „Klagemauer“

Die Union progressiver Juden in Deutschland (UPJ) appelliert an die Regierung des Staates Israel, strafrechtliche Ermittlungen gegen Frauen, die einer Verletzung der Verhaltensregel an der Westmauer des Tempelberges in Jerusalem („Klagemauer“) beschuldigt werden, unverzüglich einzustellen. Eine solche Anklage wurde am 5. Januar 2010 Anat Hoffman von der Jerusalemer Polizei angedroht. Hoffman ist Geschäftsführerin des Israel Religious Action Center, Mitglied der „Frauen der Mauer“ und führende Vertreterin der religiösen Reformbewegung in Israel, mit der die UPJ durch die Mitgliedschaft in der World Union for Progressive Judaism verbunden ist. Bereits am 18. November 2009 wurde Nofrat Frenkel, die ebenfalls der Gruppe der „Frauen der Mauer“ angehört, an der „Klagemauer“ verhaftet, weil sie in einem Bereich, in dem sich nicht-orthodoxe Jüdinnen seit 21 Jahren am Monatsanfang nach dem jüdischen Kalender zum Gebet treffen, einen Gebetsschal (Talit) und eine Tora-Rolle trug.

In einem Schreiben an Israels Botschafter Yoram Ben-Zeev schrieb Dr. Jan Mühlstein, Vorsitzender der UPJ: „Als Vereinigung der liberalen jüdischen Gemeinden in Deutschland, die dem religiösen Pluralismus innerhalb der jüdischen Gemeinschaft verpflichtet ist, sind wir über diese Entwicklung tief besorgt. Der Staat Israel, zu dem wir eine enge religiöse, freundschaftliche und familiäre Bindung haben, ist laut seiner Unabhängigkeitserklärung die Heimat aller Juden. Dies muss auch für einen der heiligsten Orte des Judentums, die Westmauer des Tempels, gelten.

Wir können daher nicht akzeptieren, dass an diesem Platz, der keine ultra-orthodoxe Synagoge ist, Frauen nicht gleichberechtigt beten können. Dass der Staat Israel diese Diskriminierung zulässt, ist für uns unverständlich. Empörend finden wir es aber, dass nun Menschen strafrechtlich verfolgt werden, nur weil sie die jüdische Religion in einer egalitären Form praktizieren, zu der sich weltweit die Mehrheit des religiösen Judentums bekennt. Dies ist mit den Verpflichtungen eines demokratischen Staates, als den wir Israel gegen unberechtigte Kritik stets verteidigen, unvereinbar.

Für Rückfragen: Dr. Jan Mühlstein, Tel. 0170/54 02 468