Sukkot findet kurz nach Jom Kippur, vom 15. – 22 Tischri (Sept./Okt.) statt. Ursprünglich war es das dritte der Erntefeste (siehe zu Pessach und Schawuot), an dem man Früchte in den Tempel brachte. Es ist das einzige Fest, bei dem der ursprüngliche Charakter eines Erntefestes bis heute sichtbar ist.
Die heutige Bedeutung von Sukkot wird in der folgenden Meditation deutlich:
Wenn Juden für eine Woche in die Sukka ziehen, hinterfragen sie die festen Wände und die kontrollierbare Sicherheit. Das ist kein Verzicht auf Selbstschutz, aber eine Anerkennung seiner Grenzen. Man sollte seine Verletzlichkeit annehmen und intensiver leben, anstatt dicke Mauern zu bauen, die uns vor Verletzungen schützen sollen, uns aber letztlich vom Leben abschneiden. Die Sukka leugnet den Wert eines soliden Zuhauses oder menschlicher Anstrengungen nicht. Einundfünfzig Wochen lang ist es den Juden erlaubt, in Häusern zu wohnen, und sie werden ermutigt, die Welt aufzubauen und Sicherheit und Wohlergehen zu fördern. Aber die Sukka lehrt uns, dass diejenigen, die die Häuser bauen, fähig sein sollten, sie aufzugeben oder auszuziehen, wenn es nötig ist. Verzicht ist das Geheimnis der Beherrschung.
Am Laubhüttenfest feiert man das Vorrecht, sich auf den Weg zur Freiheit machen zu können. Es wird nicht darauf ankommen, ob man diese Aufgabe beendet hat, sehr wohl aber, ob man sich überhaupt auf den Weg gemacht hat.
Sukkot lehrt uns, zum einen, Gott für die Gaben der Natur zu danken. Zum anderen macht es bewusst, was wir denjenigen Menschen in der Welt geben können, die unterernährt sind und Hunger leiden, wenn wir bereit sind, zu teilen.
Die meisten progressiven Gemeinden errichten auf dem ihnen zur Verfügung stehenden Grundstück oder auf dem Grundstück eines Gemeindemitglieds eine öffentliche Sukka. Damit soll all denen, die selbst keine bauen, die Möglichkeit gegeben werden, die Mitzwa zu erfüllen, in einer Sukka zu wohnen. Einige progressive Synagogen veranstalten eine Sukka-Tournee. Dadurch werden die Gemeindeglieder angeregt, eigene Sukkot zu bauen. Die Tournee besteht aus einer organisierten Fahrt zu verschiedenen Häusern und der Besichtigung der Sukkot mit einer kurzen Studieneinheit an jedem Haltepunkt, an dem es jeweils auch leichte Erfrischungen gibt. Dieses fröhliche Ereignis fügt dem Fest eine neue Dimension hinzu und bewirkt, dass für den Bau einer eigenen Sukka Ideen gesammelt werden können.
Die Sukka muss mindestens drei Wände haben, die aus Holz, Matten oder Zeltwänden bestehen können. Sie darf nicht unter einer Bedachung oder einem Baum stehen. Wichtig ist vor allem das Dach. Es besteht aus zusammengebundenen Zweigen und Laub, durch die der Himmel zu sehen sein muss. Von ihr herab hängen verschiedene Arten von Früchten. Beim Schmücken und Gestalten der Sukka sollten die Kinder beteiligt sein. In einigen Gemeinden ist es üblich, nach den Gottesdiensten Kiddusch in der Sukka zu machen. Die Laubhütte erinnert uns zum einen an die Notwendigkeit, Gott für die überreichlichen Gaben der Natur zu danken, zum anderen an die Unbeständigkeit des Lebens und die Notwendigkeit, auf Gott zu vertrauen. Historisch betrachtet erinnert sie daran, wie die Israeliten in Hütten wohnten, als sie durch die Wüste zogen wie auch wie sie in späteren Zeiten in Zelten lebten, als sie Jerusalem übervölkerten, um dieses Fest zu feiern.
Gewöhnlich wird im Synagogengottesdienst ein Lulaw geschüttelt. Er besteht aus einem Palmzweig, drei Myrtenzweigen und zwei Bachweidenzweigen, die zusammengebunden sind und mit einer Zitrusfrucht (Etrog) gehalten in alle Himmelsrichtungen geschüttelt werden. Da dies die gebräuchlichsten Früchte und Pflanzen in Israel sind, wurden sie zum Symbolen für die Natur. Das Schütteln weist darauf hin, dass Gott für alle Menschen in der ganzen Welt sorgt. In orthodoxen Synagogen wird der Lulaw am Schabbat nicht geschüttelt, weil das Mitbringen des Lulaws zum Gottesdienst gegen das Verbot verstieße, etwas in einen öffentlichen Bereich hineinzutragen (Schulchan Aruch, Orach Chajjim 658,2). In progressiven Synagogen gilt dies nicht als ein Kriterium für die Einhaltung des Schabbat (siehe oben Kapitel VI.2), daher gibt es keinen Einwand gegen das Schütteln des Lulaw im Gottesdienst am Schabbat. Den Gemeindemitgliedern wird nahegelegt, ihren eigenen Lulaw zu erwerben, um die Mitzwa für sich erfüllen zu können.