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Bilder aus dem jüdischen Gemeindewesen

Schabbat

 

Der Schabbat


Die Heiligung des Schabbat


Vorbereitung


Freitagabend


Der Schabbattag


Zwei Vorbehalte


Ein Tag der Ruhe


Berufstätigkeit


Geld


Haushalt


Gemeindearbeit


Hobbys


Haushaltshilfen


Reisen


Elektrizität


Eingang und Ausgang des Schabbat


Ein Fest der Familie?


 

 

Der Schabbat

Die Kinder Israels sollen den Schabbat halten und ihn von Generation zu Generation als einen ewigen Bund bewahren. Für alle Zeiten wird er ein Zeichen zwischen mir und den Kindern Israels sein. (Exodus 31,16-17 [Ki Tissa])

 

Die Heiligung des Schabbat

Der Schabbat ist der Mittelpunkt jüdischen Lebens. Viele Juden gehen irrtümlich davon aus, dass die Hohen Feiertage wichtiger seien und deshalb größere Aufmerksamkeit verlangten. Trotz ihrer hohen Bedeutung sind sie jedoch nur ein einmaliges Ereignis innerhalb des jüdischen Jahres, während der Schabbat die gesamte Struktur des jüdischen Kalenders bestimmt. Sein Thema, die – körperliche und geistige – Ruhe, ist in der heutigen, gehetzten Zeit genauso wichtig wie in der Vergangenheit mit ihren körperlich anstrengenden Arbeiten. Der technologische Fortschritt und ein höheres Maß an Freizeit haben zwar etliche Vorteile geschaffen, doch sie bewirken oft, dass wir eher noch mehr als weniger tun. Das Bedürfnis nach persönlicher Erneuerung hat sich also nicht verringert.

 

Man sollte den Schabbat bei sich zuhause in der Familie oder mit Freunden und in der Synagoge zusammen mit der Gemeinde feiern. Das Schabbatgebot zeigt, dass man den Schabbat hält, wenn man einerseits gewisse Dinge tut, andererseits gewisse Dinge unterlässt. "Gedenke des Schabbattages, um ihn heilig zu halten! Sechs Tage sollst du schaffen und deine Arbeit tun. Der siebte Tag aber ist ein Ruhetag, dem Ewigen deinem Gott geweiht. An ihm sollst du keine Arbeit tun." (Exodus 20,8-10 [Jitro]). In einem rabbinischem Kommentar über die beiden unterschiedlichen Versionen des Gebotes "Gedenke des Schabbattages" (Exodus 20,8 [Jitro]) und "Hüte den Schabbattag" (Deuteronomium 5,12 [Waetchanan]) wird anhand dieses Unterschieds gezeigt, dass der Schabbat sowohl durch Gebote als auch durch Verbote gehalten wird.

 

Für viele ist der Begriff "heilig" verwirrend. Man stellt sich oft vor, dass es um etwas Ehrfurchtsvolles geht, so wundervoll, dass es jenseits dessen ist, was man erreichen kann, so dass man nicht mehr den Mut aufbringt, es überhaupt anzustreben. Die Sache wird jedoch klarer, wenn man die Bedeutung des hebräischen Wortes für "heilig", kadosch, mit anderen Begriffen umschreibt, wie "etwas Besonderes" oder "etwas Herausragendes". Den Schabbat zu etwas Besonderem zu machen liegt in den Möglichkeiten eines jeden Menschen und Mitglieder von progressiven Synagogen werden ermutigt, die folgenden Aspekte zu beachten, um dieses Ziel zu erreichen.

 

Vorbereitung

Man kann den Schabbat nicht einfach anbrechen lassen und erwarten, dass er bedeutungsvoll wird, wenn man sich nicht auf ihn vorbereitet und die Umstände dafür geschaffen hat, dass er sich ausreichend von anderen Tagen unterscheidet und etwas Besonderes ist. Der Freitagnachmittag (oder der Donnerstagabend für diejenigen, die den ganzen Freitag arbeiten) ist also eine Zeit äußerster Geschäftigkeit: Man muss sich versichern, dass alle Einkäufe erledigt und alle Rechnungen bezahlt sind, das Auto getankt und die Blumen oder Geschenke für Besuche gekauft sind. Alle dringende berufliche Arbeit sollte ruhen, damit es nicht nötig ist, sich während des Schabbat um etwas zu sorgen. Die Wohnung soll sauber und die besonderen Mahlzeiten für Freitagabend und Samstagmittag sollten vorbereitet sein. Der Tisch wird mit den Schabbatutensilien und dem Schabbatschmuck gedeckt (zwei Challot, die unter einem Deckchen liegen, Salz, Wein, Kerzenhalter, weißes Tischtuch, vielleicht frische Blumen). Alle Mitglieder des Haushaltes tragen in irgendeiner Weise zu dieser Vorbereitung bei. Man bereitet sich selbst vor, indem man sich badet oder duscht, besondere Kleider anzieht (und sei es nur ein frisches Hemd, vor allem ein weißes), offene Streitsachen klärt, ungute Gefühle anderen gegenüber bereinigt und Geld spendet (in vielen Wohnungen steht eine Spendenbüchse neben den Schabbatkerzenhaltern, um kurz vor dem Anzünden der Kerzen etwas zu spenden). Freilich können andere Anforderungen (der Beruf, Kinder oder unerwartete Telefonanrufe) die besten Vorsätze zunichte machen. Dies sollte einen nicht davon abhalten, den Versuch zu starten, denn dies sind die Mittel, durch die "ein ganz normaler Tag" zu einer besonderen Erfahrung wird.

 

Freitagabend

Der Schabbat wird am Freitagabend, Erew Schabbat, beim Entzünden der Kerzen begrüßt. Wo es angebracht ist, werden die Kinder gesegnet. Man singt das Lied Schalom Alechem. Der Bibeltext Proverbien 31,10-31 (Eschet chajjil), in dem die Hausfrau gelobt wird, ist umstritten, weil er ein heute überholtes Bild von der Rolle der Frau vermittelt. In Seder ha-Tefillot wurde er deshalb ausgelassen. Man könnte alternativ das zweite Kapitel des Hohen Liedes lesen, um sich die gegenseitige Wertschätzung auszudrücken. Vor der Mahlzeit wird mit den Lobsprüchen über Brot und Wein Kiddusch gemacht. Die traditionelle Rollenverteilung von Männern und Frauen kann dabei befolgt oder verändert werden (siehe VI.4). Diejenigen, die die Lobsprüche nicht in Hebräisch sagen können, sollten sie in Deutsch sprechen und nicht einfach auslassen. Die Schabbatmahlzeit sollte sich hinsichtlich der Wahl der Speisen vom Alltag unterscheiden, sei es, dass man eine außergewöhnliche Speise auftischt oder ein Produkt aus Israel. In gleicher Weise ist die Atmosphäre, in der gegessen wird, von Bedeutung. Man sollte mit Muße essen, das Tischgespräch sollte jüdische Themen enthalten. Zwischen den Gängen können Semirot (Schabbatlieder) gesungen werden, Birkat ha-Mazon (das Tischgebet nach der Mahlzeit) sollte rezitiert werden. Die Qualität des Abends kann sich erhöhen, wenn man ihn gemeinsam mit anderen verbringt, zum Beispiel mit Verwandten, Freunden oder neuen Gemeindemitgliedern. Damit erfüllt man auch die Mitzwa, gastfreundlich zu sein, besonders für Fremde und Alleinstehende. Auch der Besuch der Synagoge ist wichtig. Es liegt am Zeitpunkt des örtlichen Gottesdienstes, ob er vor oder nach dem Essen stattfindet. In jedem Fall sollten die persönlichen und häuslichen Vorkehrungen getroffen worden sein, damit der Gang zur Synagoge das häusliche Feiern nicht beeinträchtigt. Diejenigen, die nicht zur Synagoge gehen, können den Gottesdienst für sich allein zuhause beten, entweder vor oder nach der Mahlzeit oder, wie es die Tradition vorschlägt, dann, wenn der Synagogengottesdienst beginnt, um so seine Verbundenheit zum Rest der Gemeinde auszudrücken.

 

Der Schabbattag

Den Schabbatmorgen sollte man in der Synagoge verbringen. Um Menschen mit besonderen Interessen oder Alleinstehende zu berücksichtigen, bieten einige progressive Gemeinden in bestimmten Abständen zusätzlich zum Gottesdienst Alternativen an, zum Beispiel ein Thorafrühstück, wo man den Wochenabschnitt über Kaffee und Brötchen studiert, einen Kindergottesdienst, der speziell auf die Altersstufe abgestimmt ist, ein gemeinsames Mittagessen oder eine Lerneinheit (Schiur) am Nachmittag. Das Mittagessen am Schabbat folgt im Wesentlichen dem Muster des Freitagabendessens, doch mit einem anderen Kiddusch. Auch diese Mahlzeit kann durch Gäste, die man in der Synagoge zum Essen eingeladen hat, bereichert werden. Das Gebetbuch enthält Gottesdienste für den Nachmittag und Abend des Schabbat. Da nur wenige Synagogen diese Gottesdienste halten, können die Gebete von den Einzelnen privat verwendet werden. Der Rest des Schabbat ist unstrukturiert und kann mit einer Anzahl von Tätigkeiten gefüllt werden: mit Schlafen oder dem Besuch von Familienangehörigen und Freunden, Spazierengehen oder dem Lesen eines jüdischen Buches. Vor allem das Studium von jüdischen Texten bietet sich an, insbesondere der "Sprüche der Väter" (Pirke Awot). Es können auch Tätigkeiten sein, die nach der orthodoxen Interpretation nicht erlaubt sind, aber den Prinzipien des progressiven Judentums entsprechen, wie der Besuch eines Konzertes oder Gartenarbeit. Wichtig ist, dass es sich um Tätigkeiten handelt, die einen zur Ruhe kommen lassen und die in dem Bewusstsein geschehen, den Geist des Schabbats zu wahren.

 

Um die Besonderheit des Schabbat aufrecht zu erhalten, wird sein Ende gekennzeichnet und eine Trennung zwischen ihm und dem Einbruch der Woche vorgenommen. Diese kurze Zeremonie der Hawdala sollte von allen Juden zuhause durchgeführt werden. Auf diese Weise wird die besondere Zeit beendet, die am Abend zuvor mit dem Kiddusch begonnen hat. Man sagt Lobsprüche über den Wein, die Gewürzdose und die Hawdala-Kerze. Wenn Samstagabends ein gemeinschaftliches Ereignis in der Synagoge stattfindet, beginnt es aus didaktischen Gründen oft mit der Hawdala, unabhängig von der Tatsache, dass der Schabbat möglicherweise bereits früher zu Ende gegangen ist.

 

Zwei Vorbehalte

Es ist einfach, den Schabbat als den jüdischen Tag der Woche zu betrachten und die anderen jüdischen Bräuche an anderen Tagen außer Acht zu lassen. Sicher ist der Schabbat sehr wichtig, doch er ist nur einer von sieben Tagen, die insgesamt eine jüdische Woche sein sollten. Wie oben bereits gesagt (V.1), birgt jeder Tag bestimmte Gelegenheiten zur Erfüllung jüdischer Pflichten. Die Notwendigkeit, nach höchsten ethischen Erwägungen zu reden und zu handeln, bezieht sich ohnehin auf jeden Tag des Jahres.

 

Diejenigen, die aus bestimmten Gründen nicht in der Lage sind, den Schabbat volle 24 Stunden lang zu halten, sollten nicht glauben, die einzige Alternative sei, ihn abzuschaffen. Je nach der persönlichen Situation kann man einen Teil des Schabbats halten oder "Schabbat-Augenblicke" feiern. Auf diese Weise könnte jeder der gerade beschriebenen verschiedenen Elemente des Schabbat beachtet werden, sei es die häusliche Atmosphäre am Freitagabend oder der Besuch der Synagoge am Schabbatmorgen oder die Erholung am Schabbatnachmittag, so dass jeder mindestens einen Schabbat-Augenblick hat und fähig ist, ihn allmählich auszuweiten, wenn es die Umstände erlauben.

 

Ein Tag der Ruhe

Das Gebot, den Schabbat zu beachten wird durch die Bestimmung ergänzt, keine Arbeit zu verrichten (Exodus 20,9 [Jitro]). Doch die Bedeutung des Begriffs "Arbeit" wird nicht näher bestimmt und es gibt in der Bibel nur einige wenige verstreute Beispiele von Tätigkeiten, die verboten sind. Die Rabbinen beobachteten, dass die Anweisungen für den Bau des Begegnungszelts unmittelbar auf eine Wiederholung des Verbotes, am Schabbat zu arbeiten, folgen (Exodus 35,4 [Wajakhel]). Von dort leitete man die Arten der am Schabbat verbotenen Arbeiten ab: Es sind genau die, die für den Bau des Begegnungszeltes erforderlich waren (Schabbat 49b). Hier werden 39 verschiedene Arten von Arbeiten aufgezählt und jede Tätigkeit, die mit ihnen in irgendeinem Zusammenhang stand, fiel ebenso unter das Schabbatgebot (Schabbat 7,2). Dies bildete die Grundlage für die traditionelle Beachtung des Schabbat und wurde das Kriterium, jede neu aufkommende Tätigkeit zu beurteilen. Das Anschalten von elektrischem Licht sei deshalb zum Beispiel verboten, weil es einen elektrischen Stromkreis schließt und dies zählte man zur Kategorie "Feuermachen". Einen Brief zu öffnen sei verboten, weil dies als eine ähnliche Tätigkeit wie das Schneiden von Material galt. Die Logik, mit der einige traditionelle Verbote heute abgeleitet werden, ist teilweise so weit hergeholt, dass sie in keinem Zusammenhang mit der ursprünglichen Bedeutung des Schabbat stehen. Zum Beispiel sei es verboten, den Fernseher anzuschalten, um eine Sendung über Israel anzuschauen, weil es zur Kategorie "Feueranzünden" zählt.

 

In progressiven Gemeinden wird dagegen der Einsicht Rechnung getragen, dass sich das Wesen der "Arbeit" im Laufe der Jahrhunderte beträchtlich gewandelt hat und die talmudischen Verbote gelegentlich keine Bedeutung für die modernen Umstände haben. Deshalb suchte man nach einer Neudefinition der Tätigkeiten, die am Schabbat erlaubt und verboten sind. Ziel ist es, den ursprünglichen Geist des Schabbatgebotes zu erhalten: Es ist ein Tag erholsamer Ruhe und geistiger Erneuerung, der sich durch die Enthaltung von der gewöhnlichen Arbeit auszeichnet. In einigen Fällen gelten die traditionellen Bestimmungen nach wie vor, wie zum Beispiel das Verbot des Handels. Er widerspricht eindeutig dem vierten Gebot, die Ruhe des Schabbat zu wahren. In vielen anderen Fällen werden Tätigkeiten, die von der Orthodoxie verboten sind, im progressiven Judentum erlaubt, zum Beispiel Licht anzuzünden, denn es bereichert den Schabbat eher als dass es ihn zerstört. In einigen Fällen hängt das Erlaubtsein einer Tätigkeit von ihrem Zweck ab, zum Beispiel im Falle des Autofahrens. Es wird in aller Regel nicht als wirkliche Arbeit betrachtet und ist nur ein Mittel zum Zweck. Das Fahren am Schabbat ist demnach erlaubt, wenn es dazu dient, die Synagoge zu besuchen oder Angehörige oder Freunde zu besuchen, nicht aber, um Einkaufen zu gehen. Bei bestimmten anderen Tätigkeiten hängt das Erlaubtsein von persönlichen Kriterien ab, zum Beispiel bei der Gartenarbeit. Für einige Menschen ist sie eine mühsame, lästige Pflicht und sollte deshalb am Schabbat vermieden werden. Für andere ist es die ideale Erholung am Schabbatnachmittag. Schreiben ist gewöhnlich mit Arbeit verbunden, kann aber unter Umständen erlaubt sein. Zum Beispiel darf der Synagogenvorsteher sich die Namen der Personen notieren, die zur Alija im Gottesdienst aufgerufen werden, Kinder dürfen schreiben, wenn sie in einem kreativen Gottesdienst ein Quiz beantworten oder man darf schreiben, um sich Notizen zu einem Buch zu machen, das man liest.

 

In der Praxis gibt es also ein wesentliches Abweichen von der traditionellen Interpretation der Schabbateinhaltung. Viele Tätigkeiten, die früher verboten waren, sind nun vollständig erlaubt. Dennoch blieb das Prinzip und das Anliegen gewahrt, dass der Schabbat ein Tag ist, der sich von den übrigen Tagen der Woche unterscheidet, der es jedem ermöglicht, zu ruhen und sich zu erholen. Diese Interpretation berücksichtigt die erheblichen Änderungen der Lebensweise, die seit der Zeit, in der der Talmud geschrieben wurde, stattgefunden haben und sie erkennt an, dass sich verschiedene Menschen auf sehr unterschiedliche Art und Weise erholen. Es kann also verschiedene Ausdrucksformen der Schabbateinhaltung geben, die alle gleichwertig sind. Dieser Zugang legt großes Gewicht auf eine hohe Verantwortlichkeit des Einzelnen, wie er den Schabbat in einer bedeutungsvollen Art und Weise hält. Dazu ist ein grundlegendes Wissen ebenso erforderlich wie persönliches Engagement. Dies ist auch in vielen anderen Bereichen typisch für die Position des progressiven Judentums. Sie lässt Nachlässigkeit zu. Aber diejenigen, die ein Gebot übertreten, berauben sich auch des Genusses, der mit seiner Beachtung verbunden ist.

 

Die folgende Liste gibt einige Anhaltspunkte, welche Arbeiten am Schabbat vermieden werden sollten:

 

Berufstätigkeit

Ein grundlegendes, allgemeines Prinzip ist: Alle Handlungen und Tätigkeiten, die mit dem Beruf in Zusammenhang stehen, mit dem man sein Geld verdient, sollen vermieden werden. Gemeindemitglieder sollten sich so weit wie möglich aller Arten von Geschäft und Handel enthalten. Dies schließt auch persönliche oder familiäre finanzielle Angelegenheiten ein. Diejenigen, die nicht umhin können, am Schabbat zu arbeiten, sollten zumindest versuchen, einige seiner Aspekte zu beachten.

 

Geld

Da Geld das Symbol von Geschäft und Handel schlechthin ist, sollten wir den Umgang damit am Schabbat in den meisten Fällen vermeiden. Es kommt am Schabbat darauf an, die Habgier und alle Fragen, die mit dem eigenen Lebensunterhalt zusammenhängen, auszuräumen. Der Gebrauch von Geld, um die Fahrt zu den Schabbatgottesdiensten oder für Besuche bei Verwandten und Freunden zu bezahlen, ist erlaubt. So weit wie möglich sollte das Einkaufen vermieden werden. Einige halten den Kauf von Erfrischungen und Eintrittskarten für Veranstaltungen erlaubt. Ein Bezahlen von ärztlichen Rezepten kann mit der Theorie der Hierarchien beurteilt werden: Die Möglichkeit, den Schabbat in Gesundheit und Geruhsamkeit zu genießen, übertrifft in diesem Fall das Verbot des Geldverkehrs.

 

Haushalt

Haushalt und familiäre Verpflichtungen, Handlungen, die wie Arbeit wirken (Putzen, Tapezieren oder Anstreichen, Autopflege) gelten als Arbeit und sollten unterlassen werden.

 

Gemeindearbeit

Im Talmud heißt es: "Die Schrift sagt: deinen Geschäften nachzugehen; deine Geschäfte sind verboten, göttliche Geschäfte sind erlaubt." (Schabbat 150a). Am Schabbat erlaubte Unternehmungen für Gott sind Unterricht, Krankenhaus- und Krankenbesuche. Doch Verwaltungssitzungen oder organisatorische Treffen sind damit nicht gemeint. Ebenso ist es nicht angemessen, sich am Schabbat mit Angelegenheiten zu beschäftigen, die finanzielle oder wirtschaftliche Belange der Synagoge betreffen.

 

Hobbys

Persönliche Erholung ist vor allem am Schabbat-Nachmittag möglich, vorausgesetzt, die Aspekte des Schabbat werden nicht vernachlässigt, das Hobby wird nicht in einer selbstsüchtigen Weise betrieben, die andere vernachlässigt, und es gibt keine Überschneidungen mit den Schabbatgottesdiensten, dem Studium und den Bedürfnissen der Familie.

 

Haushaltshilfen

Jüdische Babysitter sollten nicht am Schabbat beschäftigt werden, um sich selbst den Besuch der Gottesdienste zu ermöglichen. Wenn Nichtjuden in einem Haushalt beschäftigt sind, sollte man von ihnen keine Arbeiten verlangen, die der Wahrung des Schabbat widersprechen. Ihre Aufgabe, der Familie zu helfen, den Schabbat zu halten, sollte allerdings auch nicht verschleiert werden. Es muss ihnen jede Möglichkeit gegeben werden, ihren eigenen Feiertag zu halten.

 

Reisen

Wie oben bereits gesagt, ist Reisen nicht verboten, vorausgesetzt es dient einem Zweck, durch den der Schabbat gewahrt wird. Dies bezieht sich auf alle Personen, nicht nur auf diejenigen, die schwach sind oder weit von ihrem Ziel entfernt wohnen. Dennoch sei darauf hingewiesen, dass Reisen oft mit Anspannung verbunden ist, sei es wegen überfüllter öffentlicher Verkehrsmittel, einem leeren Autotank oder dem Warten an roten Ampeln. Zu Fuß zu gehen kann oft friedlicher sein. Das Laufen könnte zudem eine Art und Weise sein, den Schabbat von den übrigen Wochentagen abzusetzen. Aus solchen Gründen (nicht aus dem traditionellen Grund, dass das Drehen des Zündschlüssels einen Funken verursacht und deshalb den Schabbat entweiht) könnte man, wo immer es möglich ist, das Laufen vorziehen. Dies untergräbt nicht die generelle Beurteilung, dass Fahren am Schabbat erlaubt ist. Nichtpraktizierende Orthodoxe meinen manchmal, es sei besser, sein Auto versteckt an der nächsten Ecke zu parken, wenn man die Synagoge besucht, als öffentlich dorthin zu fahren. Damit würde man zumindest die theoretische Gültigkeit der traditionellen Auslegung der Schabbatgebote anerkennen, auch wenn sie in der eigenen Praxis nicht gehalten werden. Aus progressiver Sicht ist dies aber nicht nur heuchlerisch, sondern untergräbt die Autorität des jüdischen Gesetzes, dem sich auch progressive Juden verpflichtet fühlen. Darüber hinaus bietet eine solche Form von Doppelmoral ein schlechtes Beispiel für Kinder, die so die jüdische Tradition als totes Gut kennen und missachten lernen. Es ist weitaus besser, bei den Elementen der Religion, die heute überholt sind, einsichtige Veränderungen vorzunehmen und auf diese Weise ein Judentum zu leben, das der Wahrheit verpflichtet ist und dessen Forderungen mit gutem Gewissen erfüllt werden können.

 

 

Elektrizität

Der Gebrauch von elektrischen Geräten gilt nicht als "Arbeit" und ist erlaubt, wo er im Einklang mit dem Schabbat steht als einem Tag des Lichts, der Wärme und Freude. Man darf also das Telefon benutzen, um Freunde und Verwandte anzurufen, jedoch nicht zu Geschäftszwecken. Diejenigen, die nicht durch ankommende Telefonanrufe gestört werden wollen, können z.B. einen Anrufbeantworter einsetzen. Das Fernsehen oder Radiohören ist erlaubt, vor allem wenn es sich um kulturelle Programme handelt oder Sendungen über jüdische Themen, jedoch nicht auf Kosten anderer Familienmitglieder und ihrem Bedürfnis nach Gemeinschaft. Größere Menüs sollten am Schabbat nicht vorbereitet werden, denn sie verlangen einen hohen Zeitaufwand und Mühe. Allerdings ist es erlaubt, kleinere Dinge zu "kochen", wie Wasser für Tee oder Kaffee oder eine Suppe warm zu machen. Dies erfordert keinen großen Aufwand und ist eine Ergänzung zur Schabbatfreude. Licht anzuzünden, einen Aufzug zu benutzen oder aus anderen nützlichen elektrischen Einrichtungen einen Vorteil zu ziehen, steht im Einklang mit dem Schabbat. Synagogen, die ein größeres Gebäude haben, werden ein Mikrophon im Gottesdienst benutzen. Ebenso gibt es keine Probleme, Gehörschleifen zu installieren für diejenigen, die schwerhörig sind und andernfalls nicht in der Lage wären, den Gottesdienst zu verstehen.

 

Die Synagoge hat eine wichtige Vorbildfunktion. Sie zeigt Wege, den Schabbat zu beachten, wenn sie Gottesdienste, Studiengruppen und gemeinsame Mahlzeiten anbietet und keine Ausschuss-Sitzungen, Ausflüge oder Spendenaktionen an diesem Tag veranstaltet. Gleichzeitig werden private Einstellungen sich jedoch oft vom Vorbild der Synagoge unterscheiden.

 

Es wurden hier lediglich allgemeine Richtlinien vorgeschlagen, die jeder nach seinem eigenen Ermessen mit Leben füllen kann. Die Beachtung des Schabbat – die häuslichen Feiern und die Synagogengottesdienste – ist stark genug, um dem individuellen Pluralismus einen gemeinschaftlichen Rahmen zu geben.

 

Eingang und Ausgang des Schabbat

Traditionell beginnt der Schabbat kurz vor Sonnenuntergang. In Israel geschieht dies während des gesamtes Jahres zu einer "vernünftigen" Zeit, zwischen 17 und 19 Uhr, das heißt, es ist möglich, die Arbeit am Freitag zu beenden und eine gemeinsame Mahlzeit einzunehmen, nachdem der Schabbat begonnen hat. In Europa kann sich der Sonnenuntergang von halb vier im Winter bis 21 Uhr im Sommer verschieben. Im Sommer ist es vor allem für junge Familien fast unmöglich, so lange zu warten, um den Schabbat-Abend-Kiddusch gemeinsam zu feiern. Es gibt eine Tradition, nach der es erlaubt ist, den Schabbat zwei Stunden vor dem offiziellen Beginn anfangen zu lassen, – eine Möglichkeit, die in Betracht gezogen werden kann (obwohl "zwei Stunden" nicht wörtlich verstanden zu werden braucht). Im Winter wird der Schabbat für diejenigen, die arbeiten oder auch nachmittags zur Schule gehen müssen, am Freitag erst nach Sonnenuntergang beginnen können. Wo es möglich ist, wird empfohlen, vorzeitig nach Hause zu gehen, um den Schabbat vollständig feiern zu können. Wenn sich dies nicht einrichten lässt, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Zum Beispiel könnte ein anderes Familienmitglied die Kerzen bei Sonnenuntergang anzünden, der Kiddusch und die Mahlzeit finden aber erst dann statt, wenn alle zuhause sind. Oder das Kerzenanzünden findet erst später statt, wenn die ganze Familie zusammen ist. Dies verletzt zwar das traditionelle Verbot, nach Sonnenuntergang Licht anzuzünden, kann aber durch den wichtigeren Aspekt gerechtfertigt werden, dass die Familie gemeinsam den Schabbatanfang begehen sollte. Einige entwickelten dieses Prinzip zu einem beweglicheren System, das den Schabbat weniger an der Sonne orientiert. Sie legen zum Beispiel fest, dass sich die Familie unabhängig von der Jahreszeit immer um 18 Uhr versammelt, um den Schabbat gemeinsam zu beginnen.

 

Die Zeiten des Erew-Schabbat-Gottesdienstes sind von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. Dennoch hat jede gewöhnlich ihren eigenen festen Zeitpunkt, den sie das ganze Jahr über einhält. Viele deutschsprachige Gemeinden lassen den Gottesdienst um 19 Uhr oder um 19:30 Uhr beginnen und essen danach in der Synagoge gemeinsam. In einigen Gemeinden ist es üblich, die Kerzen zu Beginn des Gottesdienstes anzuzünden, ein Ritual, das traditionell zur häuslichen Feier gehört, heute aber oft in der Synagoge geschieht, – aus didaktischen Zwecken und auch, um eine Schabbat-Atmosphäre zu schaffen. Im Winter würde dies jedoch bedeuten, dass man die Kerzen erst nach Sonnenuntergang anzünden würden, deshalb werden sie in einigen Synagogen schon vorher bei Sonnenuntergang entzündet, so dass sie bereits brennen, wenn der Gottesdienst beginnt. Andere ziehen es jedoch vor, sie immer zu Beginn des Gottesdienstes zu entzünden, unabhängig von der Jahreszeit.

 

Der Schabbat endet, wenn drei Sterne am Himmel erscheinen, so dass der gesamte Schabbat insgesamt 25 Stunden dauert. Dies liegt daran, dass die Rabbinen einige Zeit vor und nach den "tatsächlichen" 24 Stunden des Schabbat ergänzt haben, um versehentliche Übertretungen zu Beginn und am Ende des Schabbats zu verhindern. Die genaue Zeit des Abschlusses wird in jüdischen Kalendern und oft auch in den Gemeinderundbriefen angegeben. Die Familien, die den Schabbat später beginnen, sollten darauf achten, ihn zu einer entsprechend späteren Zeit zu beenden, um so die volle Dauer der Schabbatzeit aufrechtzuerhalten. In jedem Fall ist es gut, das Schabbatende durch die Hawdala-Zeremonie zu kennzeichnen. Sie wird zuhause durchgeführt und bedeutet das formale Ende aller besonderen Schabbatbedingungen.

 

Ein Fest der Familie?

Die vorherigen drei Abschnitte gingen mehr oder weniger von der Schabbatfeier innerhalb der Familie aus. Die meisten Schabbatrituale setzen tatsächlich voraus, dass man mit anderen zusammen ist und etwas gemeinsam mit ihnen unternimmt, wie den Kiddusch und die festliche Mahlzeit. In unserer modernen Gesellschaft, in der Familien zum Teil getrennt leben, sei es in derselben Stadt oder über größere Entfernungen hinweg, gibt es in jeder Altersstufe viele, die alleine leben – unverheiratet, geschieden oder verwitwet. Oftmals kennen Auszubildende und Studierende, die am Ort wohnen, Touristen und Menschen, die neu in die Gemeinde gekommen sind, niemanden, mit dem sie den Schabbat gemeinsam verbringen könnten. Selbst diejenigen, die zwar einen Partner oder eine Partnerin haben, aber sonst wenige Leute am Ort kennen, wollen manchmal nicht den ganzen Schabbat nur zu zweit feiern. Probleme könnten auch bei Alleinerziehenden entstehen, bei Menschen mit nichtjüdischen Partnern und bei Einzelnen, deren Familie kein Interesse an der Schabbattradition hat. Die Kerzen für sich alleine anzuzünden könnte eine depressive Stimmung schaffen, so dass einige es sogar vorziehen, sie nicht anzuzünden. Es gibt also eine ganze Reihe von Menschen, die nicht in das "übliche" Muster einer jüdischen Familie passen, die den Schabbat fröhlich zusammen feiert.

 

In vielen progressiven Synagogen bemüht sich der Rabbiner oder jemand, der eigens für Gemeindeangelegenheiten beauftragt ist, Familien in der Gemeinde zu finden, die denen, die es möchten, am Schabbat Gastfreundschaft anbieten. In vielen Gemeinden gibt es inzwischen ein Netzwerk lokaler Gruppen, von denen jede ihren eigenen Koordinator für karitative und soziale Belange hat. Zu den Aufgaben dieser Personen zählt es in der Regel, sich zu vergewissern, dass diejenigen, die die wünschen, am Schabbat und an den Festen von anderen eingeladen werden. Außerdem ermutigen viele Synagogen ihre Mitglieder, neben den Gottesdiensten gemeinsame Schabbatmahlzeiten zu organisieren. Dabei könnte es sich um ein Abendessen handeln oder um eine Diskussionsrunde am Freitagabend, ein Schabbatmittagessen oder eine Studiengruppe am Samstagnachmittag. Dies findet entweder in der Synagoge selbst oder abwechselnd in den Wohnungen statt. Das Essen wird entweder von einer Gruppe vorbereitet oder, was häufiger der Fall ist, von allen mitgebracht. Die Veranstaltungen sind offen für die ganze Gemeinde und oft vor allem für die wichtig, die ohne Familie leben. Auf diese Weise kann die Gemeinde eine erweiterte Familie darstellen, in der Menschen zusammenkommen und eine Schabbatatmosphäre und ein Gefühl der Verbundenheit schaffen, die den Einzelnen sonst vorenthalten bliebe. Laden Sie doch andere zum Schabbat nach Hause ein, werden Sie aktiv und sorgen Sie für die Gemeinschaft am Schabbat. Es wird Ihren Schabbat bereichern.

 

Abschließend sei auch darauf hingewiesen, dass sich bestimmte Rituale zwar traditionell an ein bestimmtes Geschlecht gebunden haben, dies aber nur Bräuche sind, die nicht streng eingehalten werden müssen. So kann also auch ein Mann die Schabbatkerzen anzünden, während eine Frau den Kidduschsegen rezitiert. Dies ist aber vor allem für diejenigen von Bedeutung, die den Schabbat alleine oder in Gemeinschaft mit Menschen desselben Geschlechts feiern.