Das Sukkot-Fest dauert acht Tage (in orthodoxen Gemeinden neun Tage). Der erste und der letzte Tag werden als volle Festtage gefeiert, d.h. mit Festtagskerzen und Kiddusch zuhause, Enthaltung von Arbeit und Gottesdiensten in der Synagoge. Der letzte Tag ist Simchat Thora (Thorafreude), denn an diesem Tag wird der letzte Abschnitt aus dem Buch Deuteronomium aus der Thorarolle gelesen und der Zyklus mit dem ersten Abschnitt des Buches Genesis erneut begonnen. Dies ist ein Grund zur Freude, die in vielerlei Hinsicht zum Ausdruck gebracht wird. Orthodoxe Juden, die zu jedem Fest in der Diaspora einen Tag ergänzen (siehe Kap. VII.12), feiern den achten Tag als Schemini Azeret (Abschlussfest) und den neunten Tag als Simchat Thora. Das progressive Judentum, das sich an die biblischen Angaben für die Feste hält, legte beide Feste zusammen. Schemini Azeret ist eine biblische Zufügung zu Sukkot (Levitikus 23,36 [Emor]; Numeri 29,35 [Pinchas]), während Simchat Thora eine nach-talmudische Zufügung ist.
Entsprechend dem Grundsatz des progressiven Judentums, dass beide Geschlechter gleichberechtigt sind, sind Frauen am Tanz mit den Thorarollen beteiligt. Es sei darauf hingewiesen, dass die allgemeine Annahme, Frauen dürften die Thorarolle nicht berühren, vollkommen falsch ist und im jüdischen Gesetz keine Grundlage hat. Die Heiligkeit einer Thorarolle ist von der Art, dass sie niemals unrein werden könnte (Berachot 22a) (siehe dazu auch oben, Kap IV.4).