Geschichte und Bedeutung
Purim gehört zu den kleineren Festen wie Chanukka . Es fällt auf den 14. Adar (März/April) und dauert bei orthodoxen wie bei progressiven Juden einen Tag. Das Fest geht auf die Geschichte des biblischen Buchs Esther zurück. Dort wird erzählt, wie Königin Esther die Juden in Persien vor der Vernichtung bewahrte, die der böse Haman über sie beschlossen hatte. Das Fest lehrt, dass diejenigen, die Hass verbreiten, schließlich vernichtet werden. Es nährt die Hoffnung, dass angesichts noch so starker antisemitischer Kräfte für die Juden, die an ihrem Glauben festhalten, Rettung kommen wird.
Purim ist ein fröhliches Fest mit Parties, Geschenken an die Armen, Verkleidungen, usw. Im modernen Israel finden Umzüge statt, die von einer Karnevalsstimmung geprägt sind. Viele essen an diesem Fest ein besonderes dreieckiges Gebäck (Hamantaschen). Es versteht sich von selbst, dass das Buch Esther an diesem Fest gelesen wird. Im Unterschied zu orthodoxen Gemeinden wird es auch oder nur in Deutsch gelesen, damit alle die Geschichte verstehen können. In einigen Gemeinden werden verschiedene Personen, manchmal auch Kinder aus dem Religionsunterricht gebeten, ein Kapitel zu lesen. In die Amida und in Birkat ha-Mason wird eingefügt:
Wir danken für die Zeichen deiner Treue und Stärke, für die Hilfe und für die Wunder, die du damals zu dieser Zeit für unsere Vorfahren getan hast – zur Zeit von Mardochai und Esther in der Hauptstadt Susa. Als sich der böse Haman gegen sie erhob und plante, alle Juden, jung und alt, Kinder und Frauen am gleichen Tag, dem dreizehnten Tag im zwölften Monat, dem Monat Adar, zu erschlagen und zu ermorden, auszurotten und ihren Besitz zu plündern, da hast du in deinem großen Erbarmen seinen Plan vereitelt und sein Vorhaben verhindert. Du hast an ihm selbst getan, was er ihnen antun wollte. Damit hast du sie ein Zeichen deiner Treue und ein Wunder erfahren lassen. Wir danken deinem großen Namen!
Einige progressive Juden schenken diesem Fest keine Beachtung, weil sie an seiner Authentizität zweifeln und weil die Rachegedanken, die die Geschichte prägen, nicht im Einklang mit den höchsten Lehren unserer Religion stehen. Dennoch wird es trotz dieser berechtigten Einwände von anderen progressiven Juden gefeiert. Wenn die Geschichte auch nicht buchstäblich wahr sein mag, spiegelt sie doch wahre historische Situationen von antisemitischen Übergriffen, die Juden zu vernichten drohten. Der glückliche Ausgang für uns Juden sollte uns nicht dazu verleihten, Schadenfreude über den Untergang unserer Widersacher zu entwickeln.