Alltag

Den Alltag heiligen

Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben sein … Du sollt von ihnen reden, wenn du zuhause sitzt und wenn auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst. (Deuteronomium 6,6-7 [Waetchanan])

1. Ein normaler Tag

(Zu Kaschrut und Schabbat-Einhaltung siehe das Kapitel V,2. Zum Leben in einer nichtjüdischen Umwelt, Ethik im Geschäftsleben, Verantwortung für die Schöpfung siehe die Kapitel X.3 – X.5.)

Ein jüdischer Weiser, Schim’on der Gerechte, sagte: „Drei Dinge sind die Grundlage der menschlichen Gesellschaft: Das Lernen, das Gebet und gute Werke“ (Pirke Awot 1,2). Dieser Ausspruch ist eine Anleitung für das tägliche Leben, die heute genauso hilfreich ist wie damals. Er setzt Prioritäten und hilft, der eigenen Zeit einen Sinn beizulegen. Die Pflichten des Alltags müssen zügig ablaufen und können nicht vermieden werden. Doch der Alltag kann so gestaltet werden, dass er nicht nur hektische Selbstbezogenheit ist, sondern einen erfüllten Lebensstil hervorbringt, der auch dem Nächsten Wert beimisst. Alle drei Grundsätze, die von Schim’on dem Gerechten umrissen wurden, können problemlos ein Bestandteil des Tagesablaufs werden, wenn sie bedacht werden. Wir müssen nur den Willen haben, sie in die Praxis umzusetzen.

• Lernen

Ein altes Sprichwort sagt: „Ein ungebildeter Jude ist kein guter Jude“. Dies darf selbstverständlich nicht wörtlich verstanden werden. Es gibt viele Juden, die ohne eigenes Verschulden ungebildet sind, an deren moralischen Maßstäbe sich andere jedoch ein Beispiel nehmen können. Aber die Weisheit dieses Spruchs ist wahr: Nur wer lernt, kann den Wert seines eigenen jüdischen Erbes vollständig ermessen. Nur dann kann er entscheiden, welches der beste Weg ist, sich im Alltag zu verhalten und wissen was es bedeutet, jüdisch zu sein. Nur wer sich die Tradition selbst angeeignet hat, kann die Tradition erfolgreich an die nächste Generation weitergeben, kann Nichtjuden die Bedeutung des Judentums erklären, und das Judentum verteidigen, wenn es verleumdet oder falsch dargestellt wird. Unwissende Juden können gute Menschen sein, doch gebildeten Juden ist es eher möglich, jüdisch zu leben und sie werden ihr Jüdisch-Sein mehr zu schätzen wissen. Jüdisches Lernen wurde stets als eine lebenslange Beschäftigung angesehen. Das bedeutet, es gibt keine zeitliche Begrenzung und es ist nie zu spät, damit anzufangen. Man lernt am besten von einem Lehrer, sei es individuell oder in einem Kurs. Das Lernen ist eines der Glieder der Traditionskette, die über die Jahrhunderte hinweg verlängert wird. Fragen und Diskussionen sind dabei wichtig, denn das Judentum ist nichts, über das man nur akademisch Bescheid wissen kann. Man muss es sich aneignen und es muss Wurzeln schlagen. Wenn es keine Kurse gibt, sind Bücher ein guter Ersatz. (Eine Liste mit Buchempfehlungen befindet sich im Anhang.) Man sollte auf einem angemessenen Niveau beginnen und die Grundlagen zuerst kennenlernen. Später wird jeder sein besonderes Interessensgebiet entwickeln. Die Hauptgebiete, mit denen man sich zuerst beschäftigen sollte, sind: Bibel, Hebräisch, jüdische Geschichte, jüdische Liturgie, rabbinische Literatur, Rituale und Bräuche, Schabbat und Festtage. Niemand wird alle Gebiete beherrschen, doch man sollte grundlegend mit ihnen vertraut sein und wissen, in welchen Büchern man weitere Informationen nachschlagen kann. Nicht jeder wird in die Höhen akademischer Gelehrsamkeit vorstoßen wollen, doch alle können sich ein grundlegendes Wissen über das jüdische Leben erwerben. Am besten ist es, sich eine bestimmte Zeit für das Studium zu reservieren, im Idealfall eine Stunde am Tag oder, wenn dies unmöglich ist, ein anderes realisierbares tägliches oder wöchentliches Pensum (z.B. ein Abendkurs pro Woche oder ein Kapitel eines jüdischen Buches am Tag). Zumindest sollte man eine bestimmte Zeit am Schabbat dem jüdischen Lernen widmen. Das Allerwichtigste und das Geheimnis des Erfolges ist die Regelmäßigkeit. Ein anderer Gelehrter der Mischna, Hillel, sagte, was nur allzu wahr ist: „Sage nicht: ‚Sobald ich Zeit dafür habe, werde ich lernen‘; vielleicht hast du nie dafür Zeit.“ (Pirke Awot 2,5).

• Gebet

Vom Grundprinzip her ist unser Gebet eine Pflicht, in deren Erfüllung wir Gott danken und ihn loben. Die festen Gebetszeiten erinnern uns, dass wir damit Ersatz leisten für das Opfer im Tempel. Doch schon das Abendgebet ist eine Erweiterung dieser Tradition und zeigt, dass es über die Pflicht hinaus gute Gründe gibt, eine lebendige Gebetspraxis zu pflegen.

Der Wert des Gebets ist für jeden Menschen verschieden (und er kann sich in den unterschiedlichen Phasen des Lebens verändern). Es kann eine Möglichkeit sein, mit Gott Kontakt zu haben, sich selbst zu prüfen, die eigene Wertschätzung dem Leben gegenüber zu formulieren, Hoffnungen und Ängste auszusprechen, die Solidarität mit anderen auszudrücken, seine eigene jüdische Identität zu stärken, einen Augenblick der Stille zu schaffen, ruhig zu werden und sicherlich vieles andere mehr. Gebete können privat oder in Gemeinschaft gesprochen werden, beides hat seine Vorteile. Das private Gebet hat größere Spontaneität und Flexibilität, ein Gemeindegebet kann ein Verbundenheitsgefühl schaffen. Es wird allen Juden nahegelegt, die Schabbatgottesdienste in einer Synagoge zu besuchen. Auch zum täglichen Gebet wird ermutigt, doch der Ort steht zur freien Wahl. Diejenigen, die zuhause beten, können den normalen Gottesdienst im Gebetbuch für das Morgen-, Nachmittags- und Abendgebet für Wochentage benutzen. Darüber hinaus kann man Psalmen oder Studientexte zur persönlichen Meditation verwenden. Ebenso lassen sich persönliche Gebete hinzufügen oder anstelle anderer Gebete sprechen. Innerhalb einer Familie können die Gebetszeiten von allen Mitgliedern des Haushalts geteilt werden. Der Gottesdienst kann gekürzt oder angepasst werden, damit er sich für Kinder besser eignet und alle in gleicher Weise beteiligt sein können. Ein solches häusliches Gebet kann die Familienverbundenheit stärken und die Kinder lehren, das Judentum zu leben. Der springende Punkt ist, sich regelmäßig einige Augenblicke dafür frei zu halten und Zeit für eine Handlung zu schaffen, die den Rest des Tages bereichern kann. Und schließlich sollte man nicht vergessen, dass trotz der Struktur und der Bestimmungen, die sich um den Gottesdienst herum entwickelt haben, der Vollzug des Gebets seinem Wesen nach eine intensive, persönliche Erfahrung ist. Ein spontanes Gebet kann immer gesagt werden, wann und wo der Wunsch danach aufkommt.

• Gute Werke

Viel Zeit und Aufmerksamkeit richtet sich oft auf die rituellen Aspekte des Judentums, doch seine ethischen Merkmale sind von weit größerer Bedeutung. Die Liebe zu Gott zeigt man durch die Art und Weise, in der man Gottes Geschöpfe behandelt. Die biblische Mahnung: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (Levitikus 19,18 [Kedoschim]), bedeutet nicht nur, dass man vermeiden soll, ihn in irgendeiner Weise zu verletzen, sondern auch, dass man sich engagiert, ihm wo immer es geht zu helfen. Das Judentum in die tägliche Praxis umzusetzen bedeutet, in geschäftlichen Angelegenheiten ehrlich zu sein (Levitikus 19,36), andere mit Achtung zu behandeln (Levitikus 19,17), sein Temperament unter Kontrolle zu halten (Proverbien 14,29), üble Nachrede zu vermeiden (Levitikus 19,16), denen beizustehen, die belastet sind (Deuteronomium 22,4 [Ki Teze]), verlorenes Eigentum zurückzubringen (Exodus 23,4 [Mischpatim]), für Menschen mit Behinderungen zu sorgen (Levitikus 19,14), Kranke zu besuchen (Sota 14a auf der Grundlage von Genesis 18,1 [Wajera]), anderen wohlwollend zu begegnen und ganz allgemein auf die Rechte und Gefühle der anderen zu achten und sie so wichtig zu nehmen wie die eigenen. Ein weiterer Aspekt ist, Notleidenden Spenden zu geben (Levitikus 25,35 [Behar]), doch dies sollte nicht nur geschehen, wenn man ausdrücklich darum gebeten wird, sondern man sollte regelmäßige Spenden für wohltätige Zwecke geben. Nach der jüdischen Tradition soll sogar der Arme spenden, denn es gibt immer einige, die noch weniger haben, als man selbst. Es ist ein alter jüdischer Brauch, im Voraus eine bestimmte Summe pro Monat oder pro Jahr festzulegen, die man für wohltätige Zwecke spenden wird (wie auch für Notfälle, von denen man erfährt). In der Vergangenheit legte man fest, es sei angemessen, ein Zehntel seines Einkommens zu spenden (Schulchan Aruch, Jore Dea 249,1). Heutzutage wird die Summe je nach den Möglichkeiten des einzelnen verschieden sein, doch das zugrundeliegende Prinzip, regelmäßig etwas zu geben, sollte gewahrt bleiben. Einige Menschen ziehen es vor, ein Projekt gezielt zu fördern, andere unterstützen mehrere Einrichtungen. Hilfreich ist es, sich ausführlich über verschiedene wohltätige Zwecke zu informieren, eventuell die Entscheidung gemeinsam in der Familie zu treffen, den verschiedenen Zwecken einen festgelegten Betrag zuzuteilen und diese Festlegungen jährlich neu zu überdenken. Einen Teil des Geldes wird man jüdischen wohltätigen Einrichtungen geben, deren Arbeit ausschließlich von jüdischer Unterstützung abhängt sowie Projekten in Israel, die auf die Hilfe des Judentums in anderen Ländern angewiesen sind. Doch es gibt auch eine Verantwortung für die Gesellschaft im Ganzen und für die Beachtung der Nöte aller Menschen, unabhängig von ihrer Religion, Nationalität oder Hautfarbe. Hier ist ein Abwägen nötig, um seine Möglichkeiten gerecht zu verteilen. Außerdem wiesen wir darauf hin, dass man oft auch seine eigene Zeit und Arbeitskraft einem guten Zweck zur Verfügung zu stellen kann.

2. Die Bedeutung der Speisegesetze

Man hört oft die falsche Behauptung, das progressive Judentum würde die Speisegesetze ablehnen. Dies ist nicht der Fall. Richtig ist, dass das progressive Judentum es ablehnt, das Jüdischsein eines Menschen nach dem zu beurteilen, was er isst, anstatt nach seinem Verhalten. Der Speiseplan darf die moralischen Forderungen an den Menschen nicht überschatten. Und wie für die meisten Rituale gilt auch hier: die genaue Einhaltung an sich reicht nicht aus. Die Beachtung der Speisegesetze muss von ethischem Verhalten begleitet werden, wenn sie dem Zweck dienen will, an die Werte des Judentums zu erinnern. Im Falle der Kaschrut könnte man sagen, es kommt auf das an, was aus dem Mund herauskommt, nicht auf das, was in ihn hineingeht. Ein Grund zur Besorgnis ist der erbitterte Streit darüber, wie weit man die Kaschrutgebote befolgen soll, der das Vertrauen der Öffentlichkeit schwächt und Spaltungen in den Gemeinden schafft. Trotzdem betrachten wir die Speisegesetze als etwas durchaus Positives. Zu den bekannten Gründen für ihre Einhaltung – ihre heilsame Wirkung für die Selbstdisziplin und ihre hygienische Bedeutung – kann man das jüdische Bewusstsein hinzufügen, das sich bildet, wenn man dreimal am Tag jüdisch isst. Es gibt verschiedene Arten, jüdisch zu sein, aber wenige durchdringen das Zuhause und prägen den täglichen Lebensrhythmus in solch einem Ausmaß. Bei einigen Elementen der Kaschrut kommt eine historische Dimension hinzu, weil Juden denen Widerstand leisteten, die das Judentum vernichten wollten und sie zwangen, Schweinefleisch zu essen, angefangen von der Zeit der Makkabäer bis zum Naziregime.
Die Kaschrut betrifft sowohl das Privatleben als auch das Leben der Gemeinde und zwischen diesen beiden Aspekten wird unterschieden.

• Persönliche Beachtung

Das progressive Judentum fördert die Beachtung der Kaschrut im privaten Bereich und erkennt ihren Wert an, doch es erstellt keine verbindliche Liste aller Aspekte, die eingehalten werden müssen und unterscheidet nicht zwischen ihren unterschiedlichen Verdiensten. Es hält vielmehr auch hier am Prinzip der individuellen Entscheidung über die persönliche Beachtung des Ritualgesetzes fest. Jeder Haushalt muss selbst überlegen, in welchem Ausmaß die Kaschrut eingehalten wird. Es sollte eine bewusste Entscheidung sein, die sich auf das Wissen über die unterschiedlichen Verfahrensweisen und auf die Entscheidung für ein jüdisches Leben gründet. Daher kann die Kaschrut zwischen den verschiedenen progressiven Haushalten sehr unterschiedlich sein. Es ist unnötig zu sagen, dass es gewisse Mindestanforderungen gibt. Juden, die Schweinefleisch essen, übertreten bewusst ein jüdisches Gesetz, das universal anerkannt und von der Geschichte geheiligt wurde. Andere verbotene Lebensmittel, wie Meeresfrüchte und Aal, gelten als weniger verabscheuenswürdig. Doch auch hier wird empfohlen, sie zu meiden, weil diese Nahrungsmittel ausdrücklich in der Bibel selbst verboten werden (Levitikus 11,1-47 [Schemini]). Es wird empfohlen, das Fleisch von einem koscheren Metzger zu kaufen, der das Tier in der vorgeschriebenen Weise geschlachtet hat. Führende wissenschaftliche Einrichtungen haben sich für das Schächten als schmerzvermeidende Tötungsmethode auch aus moderner Sicht ausgesprochen.

Es sind vor allem die nachbiblischen Interpretationen der Kaschrut, die aufgrund der Fragwürdigkeit einiger späterer Interpretationen in die Entscheidung der Einzelnen gestellt werden. Die Tradition weitete das Verbot, ein Junges nicht in der Milch seiner Mutter zu kochen (Exodus 23,19 [Mischpatim]) weit über die ursprüngliche Absicht des Gesetzes hinaus aus. Dies führte nicht nur zu der Bestimmung, milchige und fleischige Produkte nicht zu vermischen, sondern auch zu ausführlichen Anweisungen über getrenntes Besteck, Geschirr und Spülutensilien. Einige progressive Juden sehen in diesen Zusätzen keinen Wert und beachten sie nicht. Für andere sind sie von Bedeutung und werden vollständig gehalten. Wieder andere beachten sie teilweise. (Sie verzichten zum Beispiel auf den Verzehr von Milchprodukten zusammen mit Fleischprodukten, bestehen aber nicht auf getrenntem Besteck.) Die letztgenannte Position ist sehr verbreitet, da sie ein höheres Maß ritueller Observanz zulässt ohne zu verhindern, in einem öffentlichen Restaurant essen zu können oder in den Häusern nichtjüdischer Freunde (wo Fisch oder vegetarische Mahlzeiten serviert werden) – und außerdem trennt es nicht von den jüdischen Mitmenschen, deren Wohnungen nicht denselben Standard haben. In orthodoxen Kreisen ist ein übliches Argument für die Kaschrut, sie verhindere soziale Kontakte mit nichtjüdischen Menschen und verringere daher die Wahrscheinlichkeit gemischtreligiöser Ehen. Dieses Argument wird im progressiven Judentum nicht unterstützt. Mischehen sind zwar auch nicht unser Ideal, aber wir gehen davon aus, dass man Freundschaften mit nichtjüdischen Menschen durchaus pflegen kann, ohne die eigene jüdische Identität zu verlieren.

Eine weitere persönliche Entscheidung ist der Kauf von Nahrungsmitteln, die verbotene Bestandteile enthalten, wie tierische Fette oder Zusätze. Einige meiden solche Produkte, andere weiten den Grundsatz des Bittul be-Schischim auf sie aus, demzufolge das Lebensmittel erlaubt ist, wenn die verbotene Zutat weniger als ein Sechzigstel der gesamten Mischung ausmacht. Im Talmud bezieht sich dies nur auf Fälle von verbotener Nahrung, die zufällig in ein Gemisch fällt (Chullin 97b), obwohl man einwenden könnte, dass die Tatsache, ob es dort zufällig oder absichtlich hineinkam, nicht die tatsächliche Beschaffenheit ändert. Nahrungsmittel, die per se koscher sind (z.B. Honig oder Nüsse) benötigen kein besonderes Zertifikat. Ebenso gibt es keine Notwendigkeit, dass ein Schomer („Wächter“) bei der Produktionsphase anwesend sein muss, um sicherzustellen, dass keine verbotenen Nahrungsmittel versehentlich zugefügt werden. Angesichts der heute üblichen strengen gesetzlichen Lebensmittelkontrollen ist dieser Fall ohnehin äußerst unwahrscheinlich. Ebenso brauchen Pessach-Nahrungsmittel, die bereits an sich frei von Gesäuertem sind (z.B. Kaffee oder Tee), keine besondere Markierung „koscher für Pessach“, die nur zusätzliche Kosten verursacht, um eine eindeutige Tatsache festzustellen.

Unangemessen ist der Brauch einiger, sich zuhause an bestimmte Speisevorschriften zu halten, an anderen Orten aber nicht. Man könnte als Argument für diese Einstellung anbringen, man unterscheide zwischen dem jüdischen Charakter des eigenen Zuhauses und dem säkularen der übrigen Welt, doch zwei Einwände setzen dieses Argument außer Kraft: zum einen sollte die Beachtung jüdischer Grundsätze immer geschehen, nicht nur an einem bestimmten Ort; zum anderen ist es für Kinder verwirrend und kann zum Vorwurf der Heuchelei führen.

Zu diesen Aspekten der Kaschrut warf das progressive Judentum eine vollständig neue Frage auf: Sollten die Kategorien verbotener Nahrungsmittel auf Produkte ausgeweitet werden, die aus industrieller Tiererzeugung stammen, zum Beispiel die Eier von Legehennen, die nicht frei umherlaufen können und in Dunkelheit gehalten werden oder das Fleisch von Kälbern, die mit künstlichen Flüssigkeiten ernährt wurden, die sie fett aber nicht satt machten? Für viele stehen diese Praktiken im Gegensatz zur jüdischen Betonung einer artgerechten Behandlung aller Tiere, auch derjenigen, die zu Nahrungszwecken getötet werden (Levitikus 22,28 [Emor]; Deuteronomium 5,14 [Waetchanan]; 22,6-7 [Ki Teze]; Proverbien 12,10). Einige progressive Juden verzichten daher auf den Verzehr von Fleisch und tierischen Produkten, die unter derartigen industriellen Bedingungen gezüchtet wurden, denn ihrer Meinung widerspricht dies dem Geist der jüdischen Ethik. Ihrer Ansicht nach kann ein bestimmtes Tier zwar durchaus halachisch koscher sein, aber gleichzeitig moralisch terefa. Wieder andere erinnern daran, dass der Fleischgenuss als solcher ein Zugeständnis an unsere Schwachheit ist und der ursprünglichen Schöpfungsordnung nicht entspricht. Wenn die Schöpfungsordnung aber das Idealbild für die messianische Zeit darstellt, habe man auf den Konsum von Fleisch zu verzichten.

Keine dogmatische Definition legt fest, was Kaschrut ist. Doch es gibt zwei eindeutige Grundsätze, die als persönliche Richtlinie dienen können. Zum einen achtet das progressive Judentum eine religiöse Durchformung unseres Umgangs mit Lebensmitteln durch die Orientierung an der traditionellen Kaschrut. Zum anderen berücksichtigt es, dass es verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten der Kaschrut gibt, die gleichwertig sein können. Es gibt keinen Grund für eine „Alles oder nichts“-Einstellung, sondern man kann einen annehmbaren Mittelweg gehen und auf diese Weise seine jüdische Identität auch durch seine Ernährung zum Ausdruck bringen.

• Kaschrut im öffentlichen Bereich

Im öffentlichen Bereich wie bei Gemeindeveranstaltungen einer Synagoge, müssen weitergehende Bedürfnisse berücksichtigt werden Die Kaschrut muss so beachtet werden, dass möglichst viele Juden dort essen können. Es muss verhindert werden, dass die Speisegesetze jüdische Menschen voneinander trennen. Synagogen, die Fleisch anbieten, sollten sicherstellen, dass es koscher ist und Richtlinien über die Trennung von milchigen und fleischigen Produkten beachten. Andere Synagogen erlauben nur milchige Speisen (d.h. Fisch oder vegetarische Gerichte). Dieser Brauch dient auch didaktischen Zwecken und ist ein Vorbild für diejenigen, die mit den Kaschrut-Bestimmungen nicht vertraut sind. Nichtjüdische Speiselieferanten sind erlaubt, vorausgesetzt sie stehen unter der Aufsicht des Rabbiners. Der Punkt berührt auch die Organisation des Schabbat-Kiddusch. Einige Synagogen weisen diese Aufgabe einem Ausschuss zu, um sicherzustellen, dass die Bestimmungen eingehalten werden. In anderen Synagogen organisieren einzelne Mitglieder oder Familien abwechselnd den Kiddusch und sind in diesem Fall über die Grundsätze der Synagoge informiert.

• Lobsprüche

Nicht zuletzt angesichts der Tatsache, dass es in vielen Teilen der Erde immer noch zu regelmäßigen Hunger- und Dürrekatastrophen kommt, ist es angemessen, seine Nahrung nicht nur zu verzehren, sondern auch die Dankbarkeit für sie zum Ausdruck zu bringen. Zusätzlich zu dem einfachen Segensspruch vor der Mahlzeit sollte nach dem Essen ein Dank gesagt werden (in Hebräisch oder Deutsch oder beidem). Die Umstände erlauben unterschiedliche Ausführungen. Nach einer eiligen Wochentagsmahlzeit kann man einen einzigen Lobspruch sagen: chazan et ha-kol: „Gepriesen seist du Ewiger. Du ernährst alle.“ Am Schabbat kann man in Muße die lange Version des Tischgebets nach dem Essen singen. In die traditionelle Version wurde ein neuer Abschnitt eingefügt:
Wir haben gegessen und sind satt geworden. Lass uns nun nicht blind sein für die Bedürfnisse anderer oder taub für ihren Schrei nach Nahrung. Öffne unsere Augen und unsere Herzen, so dass wir unsere Gaben teilen können. Hilf uns, Hunger und Mangel aus der Welt zu vertreiben.

• Wein

Bei Wein liegt eine völlig andere Situation vor als bei Nahrungsmitteln. Die Kaschrut der Nahrungsmittel hängt von der Quelle ab, aus der sie kommen, während die Kaschrut von Wein von der Person abhängig ist, die ihn verkauft. Traditionell gilt, wenn ein nichtjüdischer Mensch in irgendeinem Stadium vom Pflücken der Traube bis zum Abfüllen in die Flaschen beteiligt war, gilt der Wein als nicht koscher, denn alle Arbeitsschritte müssen von jüdischen Personen ausgeführt werden. Diese Bestimmungen gehen auf die Zeit zurück, in der Götzendienst verbreitet war und man Wein für Libationsopfer an Götter verwendete. Juden wollten sich von Wein fernhalten, der heidnischen Göttern geweiht sein könnte. Solche heidnischen Bräuche sind seit mehreren Jahrhunderten verschwunden, doch das Verbot für Weine, die von Nichtjuden hergestellt wurden, gilt in der Orthodoxie nach wie vor. Wir meinen, dass das Gesetz heute keine Gültigkeit mehr besitzt und die Unterscheidung zwischen Weinen von jüdischen und nichtjüdischen Winzern nicht notwendig ist. Die einzige Ausnahme ist der Synagogengottesdienst, in dem der Kiddusch-Wein koscher sein soll, damit alle Anwesenden unabhängig von ihrer religiösen Praxis teilnehmen können. Bei gesellschaftlichen Anlässen der Synagoge erlauben einige Gemeinden nur koscheren Wein, während andere auch andere Weine zulassen, solange alternative Getränke zur Verfügung stehen.

3. Die Bedeutung des rituellen Tauchbads

Die Gesetze über die Nidda („Menstruierende“) gründen sich auf Levitikus 15,19 [Mezora] „Wenn eine Frau den Fluss hat, das Blut an ihrem Körper fließt, so soll sie sieben Tage in ihrer Absonderung bleiben.“ Traditionell darf sie während dieser Zeit keinen sexuellen Kontakt mit ihrem Mann haben, ihn nicht einmal berühren. Das spätere jüdische Gesetz legte fest, dass die Zeit der Trennung insgesamt zwölf Tage dauern sollte (fünf für die Menstruation selbst und weitere sieben Tage, in denen kein Blut vorhanden sein durfte). Am Ende dieser Zeit musste sie sich in „fließendem Wasser“ baden. Dies kann ein Meer oder ein Fluss sein, üblicher ist eine Mikwe („Wasseransammlung“). Eine Mikwe ist ein kleiner Raum, in dem sich ein Becken mit natürlichem Wasser befindet, dass eine Tiefe von ungefähr Brusthöhe hat. Die Frau geht um ihr Schamgefühl zu wahren nach Einbruch der Dunkelheit dorthin. Die einzige andere anwesende Person ist eine weibliche Begleitung. Die Frau entkleidet sich und legt alle Ringe oder sonstigen Schmuck ab, steigt in das Wasser, taucht dreimal vollständig in das Wasser ein und rezitiert einen Lobspruch. Anschließend darf sie wieder ehelichen Verkehr mit ihrem Mann haben. Das Paar darf keinen Kontakt haben, wenn die zwölf Tage zwar vergangen sind, aber die Frau noch nicht in einer Mikwe war.

In der Orthodoxie ist der monatliche Besuch der Mikwe für alle verheirateten Frauen verpflichtend, die noch nicht die Menopause erreicht haben. Eine moderne Mikwe ist ein gekacheltes, beheiztes Becken mit abgeschlossenen Duschräumen nebenan, in denen es z.B. auch Haartrockner gibt.
Im progressiven Judentum gilt dieser Brauch nicht als verpflichtend, denn es wird berücksichtigt, dass diese Sache eine höchst private Angelegenheit ist, die jede Frau in Absprache mit ihrem Mann für sich selbst entscheiden muss.
Die überwiegende Mehrheit der weiblichen Mitglieder progressiver Synagogen besucht die Mikwe nicht regelmäßig. Einzelne tun es jedoch. Es sind vor allem jüngere Frauen, die die Idee der Mikwe für sich wiederentdeckt haben. Dies ist eine Folge der jüdischen feministischen Bewegung und der Suche nach genuin weiblichen Ritualen und Bräuchen. Der Reiz einer Mikwe ist, dass sie die körperlichen und emotionalen Veränderungen verdeutlicht, die eine Frau in der Zeit ihrer Menstruation erfährt. Ebenso fördert sie, dass Männer die besondere Sensibilität von Frauen während dieser Zeit beachten. Entgegen dem Volksglauben hat eine Mikwe nicht den Zweck, die Frau körperlich zu reinigen (mit der Schlussfolgerung, dass sie bis dahin „unrein“ war), denn vor dem Betreten der Mikwe muss sie baden oder duschen. Die Mikwe hat vielmehr eine spirituelle Bedeutung. Sie symbolisiert die Erneuerung des Rhythmus des weiblichen Körpers und feiert das Geheimnis seiner einzigartigen schöpferischen Kräfte. Die Vorstellung, eine Frau sei während ihrer Menstruation „unrein“ wird in jeder Hinsicht vollkommen verworfen. Ebenso wenig akzeptabel ist die Vorstellung, dass das Paar in dieser Zeit auf alle nichtsexuellen körperliche Kontakte verzichten muss. Der Wunsch der Partner, sich durch Berührungen auszudrücken, braucht nicht wegen des biologischen Zyklus unterdrückt zu werden.

Eines der traditionelleren Argumente für die Mikwe ist, dass die Zeit der monatlichen sexuellen Abstinenz zum gegenseitigen Respekt der Partner beitrage. Ebenso fördere sie die sexuelle Lust, nachdem der Kontakt wieder möglich ist und erhalte die Frische der Beziehung. Freilich können diese Vorteile auch von denen erlangt werden, die auf sexuellen Verkehr während der Menstruation verzichten und anschließend nicht in eine Mikwe gehen.
In der Orthodoxie ist es für die Frau ebenfalls verpflichtend, kurz vor ihrer Hochzeit eine Mikwe aufzusuchen. Der Termin der Hochzeit wird entsprechend festgelegt. Progressive Rabbiner erwähnen diese Sitte gelegentlich, wenn sie sich mit dem Paar treffen, um die Hochzeit zu planen, doch sie lassen die Befolgung als Möglichkeit offen.

Nur in einem Fall ist das Untertauchen in einer Mikwe im progressiven Judentum verpflichtend. Es ist eines der Elemente der Konversion, die von Männer, Frauen und Kindern in gleicher Weise verlangt wird (siehe Kap. IX.2). Auch hier hat der Gang zur Mikwe eine religiöse Bedeutung und dient nicht dazu, irgend jemanden von körperlicher Unreinheit zu säubern. Sie symbolisiert den Richtungswechsel im Leben der Person, die in das Judentum eintritt. In einigen jüdischen Gruppierungen hat sich der Brauch entwickelt, die Mikwe zu bestimmten Gelegenheiten zu besuchen, zum Beispiel Freitags nachmittags, vor den Hohen Feiertagen, der Bräutigam vor seiner Hochzeit. Wie in allen übrigen Fällen hat das Untertauchen auch hier eine geistige Bedeutung.

4. Das jüdische Haus

Eine jüdische Wohnung sollte jederzeit offen für andere und vom Geist der Gastfreundschaft erfüllt sein. Gastfreundschaft ist etwas, das man sich schnell vornehmen kann, aber nicht immer leicht in die Praxis umsetzt. Sie bedeutet, neue Gemeindemitglieder oder Besucher der Synagoge zur Schabbatmahlzeit einzuladen oder mit denjenigen, die alleine leben oder einsam sind, von Zeit zu Zeit die Wärme des eigenen Hauses zu teilen. Ein jüdisches Haus sollte überall von Aspekten des jüdischen Lebens durchdrungen sein. Dies kann dadurch erreicht werden, dass man die folgenden Gegenstände oder eine Auswahl von ihnen in einigen Räumen hat. Jeder von ihnen trägt dazu bei, eine besondere Atmosphäre zu schaffen.

• Mesusa

Die Tradition, eine Mesusa an die Außenseite des Türrahmens seines Hauses anzubringen, stammt aus Deuteronomium 6,9 [Waetchanan], einem Satz, der zum ersten Abschnitt des Sch’ma gehört: „Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses und in deine Tore schreiben.“ Sie sollte an der rechten Seite (wenn man von außen kommt) im oberen Drittel so angebracht werden, dass das obere Ende zur Tür zeigt. Dies ist ein schlichtes Zeichen, dass die Bewohner dieses Hauses jüdisch sind. Wichtiger jedoch ist: Dieser Ausdruck jüdischer Identität ist auch eine Erinnerung, dass man verpflichtet ist, die Traditionen und Werte des Judentums zu bewahren. Eine Mesusa an allen Wohn- und Schlafräumen der Wohnung ist vielleicht nicht notwendig, doch es wird empfohlen, da es die Identifikation stärker betont. Es gibt eine kleine Zeremonie für das Anbringen einer Mesusa, die chanukat ha-bajit („Weihung des Hauses“) genannt wird und die entsprechenden Lobsprüche zusammen mit diesem Gebet enthält:
Wir bringen eine Mesusa am Türrahmen dieses Hauses an, um das Gebot Gottes, unseres Schöpfers, zu erfüllen und um uns selbst und alle, die dieses Haus betreten, daran zu erinnern, Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit ganzer Kraft zu lieben.
Gott, wir bitten dich um deinen Segen für dieses Haus und für alle, die darin leben werden. Mögen die Türen dieses Hauses immer offen sein für Menschen in Not. Mögen seine Zimmer mit Freundlichkeit erfüllt sein. Möge Frieden zwischen seinen Wänden wohnen und möge es Freude durch die Fenster hinaus verbreiten. Dein Friede beschütze dieses Haus. Deine Gegenwart möge nie von ihm weichen.

Die volkstümliche Vorstellung, dass die Mesusa eine Schutzfunktion habe, ist der Rest eines mittelalterlichen Aberglaubens. Unglücklicherweise führte er zu vollkommen lächerlichen Behauptungen, zum Beispiel dass das Versäumnis, die Mesusa zu prüfen, ein Unglück über den Haushalt bringen würde. Die Sitte, die Mesusa bei Betreten des Hauses zu küssen, ist eine Frage der persönlichen Frömmigkeit, die einige in dieser Weise ausdrücken. Dies ist aber nicht notwendig und in progressiven Kreisen selten.

• Ritualgegenstände

Viele jüdische Zeremonien finden zuhause und nicht in der Synagoge statt, so dass die notwendigen Gegenstände vorhanden sein müssen. Sie brauchen nicht in einem Schrank verschlossen zu werden, sondern können im Regal oder auf der Fensterbank stehen und ständige Erinnerungen an die festlichen Anlässe sein: eine Chanukkia, ein Sederteller (der an der Wand hängen kann), Schabbatkerzenleuchter, Kiddusch-Becher, eine Gewürzdose für Hawdala. Es sei ausdrücklich betont, dass dies keine teuren Kunstgegenstände zu sein brauchen, sondern ebensogut selbstgemachte. Ihr Wert ergibt sich aus der Art und Weise, wie sie benutzt werden, nicht aus ihrem Preis.

• Wandschmuck

Eine Anzahl von Gegenständen kann die Wände schmücken, zum Beispiel eine Misrach-Tafel, d.h. ein Schild, dass anzeigt, wo Osten ist, damit es einfacher ist, sich während des Gebets nach Jerusalem zu richten, eine Sitte, die seit der Zeit Salomos belegt ist (1. Könige 8,44; siehe auch Daniel 6,11; Berachot 4,5). Solche Schilder können selbstgemacht oder gekauft sein, einfach oder verziert. Wenn man eine illustrierte Ketuba besitzt, könnte man sie rahmen und aufhängen. Eine Tradition ist, sie ins Schlafzimmer zu hängen. Gemälde aus Israel oder mit jüdischen Szenen sind ebenfalls sehr geeignet.

• Bücher

Bücher können ganze Welten des Wissens und der Erfahrung erschließen. Ebenso bringen sie Wärme in einen Raum und der Blick auf ihre Titel wird schnell die Vorlieben dieses Haushalts erkennen lassen. Das Bücherregal sollte eine Anzahl grundlegender jüdischer Werke enthalten: eine Bibel, ein vollständiges Gebetbuch (für Schabbat, Festtage und die Hohen Feiertage) und Anleitungen zu einem jüdischen Leben. Daneben sollte eine Vielzahl anderer Bücher vorhanden sein: über die jüdische Geschichte, die jüdische Küche und Folklore, das religiöse Leben und Israel wie auch jüdische Biographien, Erzählungen oder Kinderbücher. Der persönliche Geschmack wird sehr unterschiedlich sein, doch man sollte versuchen, sich im Laufe der Zeit seine eigene jüdische Bibliothek zu schaffen. Zusätzlich könnte man jüdische Zeitschriften abonnieren, um über die Entwicklungen der Gemeinden und des jüdischen Denkens auf dem Laufenden zu sein.

• Spendenbüchse

Das Judentum hat den Wert der Zedaka („Almosen“) stets als eine regelmäßige und selbstverständliche Handlung betont. Eine Spendenbüchse in der Wohnung dient als ständige Erinnerung an die Bedürfnisse anderer, die weniger haben als man selbst. In vielen Familie gibt es die Tradition, kurz vor Beginn des Schabbat oder vor Festtagen Geld in die Büchse zu geben. Daher steht sie oft neben den Schabbatkerzenständern.

• Küche

Es gibt kein äußeres Merkmal einer koscheren Küche, aber viele sprechende Zeichen für ein erfahrenes Auge, wie das Fehlen von verbotener Nahrung und die Sorgfalt, milchige und fleischige Speisen nicht zu vermischen. Von denen, die zweierlei Arten von Besteck verwenden, wird in der Regel ein bestimmtes Farbsystem benutzt (oft blau für Milch, rot für Fleisch).

• Beziehungen

Wichtiger als die Ritualgegenstände und andere jüdische Dinge ist jedoch, dass die Qualität der Beziehungen innerhalb des Hauses den jüdischen Wertmaßstäben entsprechen. Vertrauen, Respekt, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Humor sind die idealen Kennzeichen eines jüdischen Haushalts. Es wäre unrealistisch, zu erwarten, dass nie ein barsches Wort fällt oder niemals jemand aus der Haut fährt, aber dies sollten nur gelegentliche Vorkommnisse sein, die bald bereinigt werden, um das Problem zum Wohle aller zu lösen. Eine jüdische Familie ist nicht vollkommen, aber sie kann stets nach Besserung streben und sollte ständig versuchen, sich zu vervollkommnen.

• Wohnort

Abgesehen von der Einrichtung einer Wohnung ist auch ihre Lage wichtig. Unter den vielen Faktoren, die bei der Wahl des Wohnorts eine Rolle spielen – die Nähe zur Arbeitsstelle, Schulen, Geschäfte, Verkehrslage – sollte auch der jüdische Aspekt wichtig sein. Wenn man weit von einer jüdischen Gemeinde entfernt wohnt, ist es unwahrscheinlich, dass man großen Anteil am Gemeindeleben haben kann, dass man jüdische Kontakte hat oder dass es jüdische Einrichtungen in der Umgebung gibt. Die Kinder werden keine jüdischen Freunde haben und keinen Religionsunterricht besuchen können. Wenn man dagegen in der Nähe einer Synagoge wohnt, wird man an jüdischen Veranstaltungen teilhaben können und dadurch das persönliche wie auch das Familienleben bereichern.

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