Die Torah zieht in Massen ein

Guten Tag und Shalom!“, begrüßt Alexandra Khariakova die jüdische Gemeinde sowie die zahlreichen Gäste, die gestern zum Gottesdienst in die Synagoge in Massen kamen. Wahrhaftig ist es keine jüdische Tradition, an einem Sonntag in der Torah zu lesen. Doch diesen Sonntag war es dem Anlass wegen unentbehrlich – denn die Gemeinde hat nach langem Warten endlich eine eigene heilige Schrift.

Feierlich wird das neu erworbene Herzstück der Gemeinde „haKochaw“ (deutsch: der Stern) in den Gebetssaal der Synagoge getragen. Psalm 92 erklingt, der Saal erhebt sich zu Ehren der Torah. In den Armen von Sonja Güntner, erste Vorsitzende der Union Progressiver Juden, erkennt man aber schnell, dass dies für die Beteiligten nicht nur eine Schriftrolle ist.

Eine Torah wird gemeinsam mit ihrem Schmuck geliefert – Wimpel, Mantel, Schild und zwei Kronen lassen die Schrift in Gold und Silber strahlen. Nur zum Lesen muss der Schmuck natürlich entfernt werden.

Die neue Torah zieht in ihrem schicken Gewand am Sonntagnachmittag mehrmals durch den Saal und wird von den Gläubigen bewundert. Die heilige Schrift bedeutet der Gemeinde ungemein viel. Sie ist die „universelle Ethik für alle Generationen und unser Lebensgebot“, erklärt Khariakova. Tag und Nacht sollen sich die Juden mit der Schrift und deren Botschaft auseinandersetzen. Natürlich gibt es hierfür auch handlichere Torahs in Buchform.

Die wertvolle handgeschriebene Schrift darf nur mit einem Zeigestock gelesen und am besten kaum berührt werden. Dann könne sie sich einige hundert Jahre halten.

In Massen sorgt man gut für die neue Torah. Mit vorsichtigen Bewegungen zog Khariakova ihr einen Mantel an, setzte die zwei Kronen auf und verstaute sie im eigens für sie vorgesehenen Schrank.

Zahlreiche Gäste fanden sich am Sonntag in Massen zur „Begrüßung“ der Torah ein. Zwar verstanden sie bei der Lesung aufgrund fehlender Hebräischkenntnisse nur recht wenig. Jedoch freute man sich über den Enthusiasmus der jüdischen Gemeinde, deren Versammlungsort nun endlich offizielle Synagoge ist.

Quell: Anna Mayr, Der Westen, 26.02.2012