Rückblick

Vom 23.3-7.4.2010 fand unser Aviv Seminar statt.

Dieses Jahr war das Seminar etwas ganz besonderes. Am besten lasse ich die Teilnehmer zu Wort kommen:

Wer sind wir?
Wir sind eine Gruppe junger Jugendleiter zwischen 16 und 19 Jahren aus Deutschland und aus Israel. Wir sind Mitglieder der Reformbewegung „Netzer“ in Deutschland und „Noar Telem“ in Israel. Im März und April 2010 haben sich 30 von uns zu einem zweiwöchigen Seminar getroffen, das zur Hälfte in Israel und zur Hälfte in Deutschland stattfand.

Warum haben wir uns getroffen?

Wir trafen uns, um neue Verbindungen zu knüpfen, unsere jüdische Identität zu erforschen und um eine Gemeinschaft zu bilden.
Wir wollten ein besseres Verständnis dafür entwickeln, wie Medien unser Alltagsleben beeinflussen und wie wir eine kritischere Betrachtungsweise dafür erlangen können. Es war sehr wichtig, uns gegenseitig kennen zu lernen und die Vorurteile abzulegen, die wir von den jeweils anderen hatten und die verschiedenen Formen jüdischen Lebens in Deutschland und Israel zu erleben.

Was haben wir alles unternommen?

Als Gruppe haben wir Workshops veranstaltet über Stereotypen und Vorurteile und haben offen darüber gesprochen, wie wir uns gegenseitig wahrnehmen. Weil wir die Gelegenheit hatten, richtig viel Zeit miteinander zu verbringen, haben wir gelernt, dass wir trotz der unterschiedlichen Sprache und Herkunft aus einer anderen Kultur, viel mehr gemeinsam haben, als wir zunächst dachten.

Bei unseren Besuchen des „Kol Israel“ Radiosenders in Jerusalem und des ARD-Fernsehstudios in Berlin, konnten wir sehen, wie Nachrichten gemacht und herausgegeben werden. Wir haben Begriffe wie Subjektivität und authentische Berichterstattung diskutiert und sogar unsere eigene Radioshow aufgenommen!

Weil wir eben auch eine bedeutungsvolle jüdische Erfahrung machen wollten, haben wir immer auch das Jüdische an der ganzen Veranstaltung betont: wir haben jeden Morgen und jeden Abend gemeinsam gebetet – manchmal in einem sehr kreativen Maamad und lernten verschiedene Melodien für Lieder, Segnungen (Brachot) und Gebete. Wir benutzen traditionelle und moderne jüdische Texte in unseren Workshops und feierten den Pessach-Seder zu Hause bei den Israelis. Wir haben Shabbat gefeiert mit der Liberalen Jüdischen Gemeinde „Sukkat Shalom“ in Berlin und besuchten das Jüdische Museum und das Centrum Judaicum in der Oranienburger Strasse.

Durch das persönliche „mifgash“ (Treffen) und das Bereisen beider Länder konnten wir eine Menge über deutsche und israelische Geschichte, Mentalität und Kultur lernen und über die Tradition der beiden jungen Gruppen. Wir haben Unterschiede und Gemeinsamkeiten an uns entdeckt und haben neue, persönliche Freundschaften geschlossen. Wir haben zusammen gelacht und geweint, haben uns gegenseitig herausgefordert und gestritten. Wir haben uns gegenseitig Wörter und Begriffe aus unseren Sprachen beigebracht, viele neue Erfahrungen gemacht und wir hatten unglaublich viel Spass zusammen.

Wir sind alle sehr glücklich darüber, dass wir Gelegenheit hatten, an diesem Programm teilzunehmen und hoffen, dass die Verbindungen, die wir geknüpft haben und die Bewegung der wir angehören, sich in Zukunft weiter entwickeln und vertiefen werden.
Wir sind zu dieser Begegnung mit vielen Fragen gegangen, wie zum Beispiel „Wie sieht eine jüdische Gemeinde in Israel aus, wie in Deutschland“, „Wie können Juden in Deutschland ein jüdisches Leben aufbauen mit der schwierigen Geschichte dieser beiden Nationen“, „Wie können wir als Zionisten Israel lieben und dennoch die Politik der Regierung kritisieren“.

Durch diese und viele andere Fragen gelang es uns gemeinsam, eine persönliche, stärkere und jüdische Identität zu schaffen.