Wintermachane

Union progressiver Juden in Deutschland – Jugendabteilung – Bericht vom Wintermachane 2011

Liebe Gemeinden, liebe Freunde von Netzer, liebe Chanichim,

das Wintermachane war das schönste und beste Wintermachane, das ich je bei Netzer erlebt habe. Okay, es war mein erstes Wintermachane, aber trotzdem bin ich sehr glücklich über das, was ich in der einen Woche erleben konnte.

Unser Wintermachane hatte dieses Jahr einen besonderen Slogan „נסים ונצרים”. Übersetzt heißt das „Wunder und Sprösslinge“, oder „Wunder und Netzer’niks“. Natürlich hatten wir mit dem Slogan vor, eine Anlehnung an das Channukka-Wunder zu finden und gleichzeitig wollten wir verdeutlichen, dass wir alle, wir alle bei Netzer und die ganze Jugendarbeit der Union etwas „Wunderbares und Wunderhaftes“ ist. Es ist schon etwas Besonderes, dass jüdische Jugendliche aus Polen und Deutschland zusammenkommen und gemeinsam die Channukka-Zeit verbringen und so gemeinsam unsere jüdische Identität mit viel Spaß und Freude stärken.

Eng mit Channukka verbunden sind die vielen Helden in unserer jüdischen Geschichte. So konnten wir zum Beispiel an Schabbat, im Rahmen der Torah-Lesung, Helden entdecken: Josef und seine Brüder, die trotz großer Differenzen wieder aufeinander zugehen und sich verzeihen konnten. Oder, die modernen Helden, die wir während der Israel Peulot kennenlernen konnten: die jungen Israelis, die in Tel-Aviv und in ganz Israel für eine Verbesserung ihrer Lebenssituation auf die Straße gegangen sind. Natürlich waren auch die Makkabäer und deren Geschichte immer wieder Thema in unseren Peulot.

Begleitet wurden wir über Schabbat von der Rabbinatsstudentin Sonja Pilz. Sonja hat nicht nur das Gottesdienst-Team für den Kabbalat-Schabbat toll vorbereitet, sondern auch einen wunderschönen Schacharit-Gottesdienst zu Schabbat geleitet. Neben der schon oben erwähnten Torah-Lesung aus dem Wochenabschnitt hat Sonja sehr spannende und lehrreiche Draschot und Kommentare für beide Gottesdienste vorbereitet, die die Gottesdienste gut aufgelockert haben. Sonjas Besuch war für uns alle eine große Bereicherung. Danke auch an unseren Rabbiner Tom Kucera, der Sonja so viele Tipps mit auf den Weg gegeben hat.

 

Neben Sonja hatten wir noch drei weitere externe Unterstützer, die unsere Machane-Familie bereichert hatten. Allen voran ist Sarah Goldenstein zu erwähnen. Sarah war bereits zum Sommermachane als Madricha Teil unseres Teams. Und so auchbeim Wintermachane. Sarah wurde uns vom „The American Jewish Joint Distribution Committee (JDC)“ ausgeliehen. Nicht nur, dass wir Sarah auf Grund ihrer freundlichen und tollen Art fest in unser Herz geschlossen haben, sondern auch ihre professionelle Arbeit, mit der sie unsere Arbeit auf den Machanot bereichert, hat sie zu einem Grundpfeiler von Netzer werden lassen.

Besucht haben uns auch Jakob Walbe und Sergej Tcherniak. Sergej ist Gesandter der Jewish Agency. Sein erster Besuch auf einem unserer Machanot war vor allem dazu gedacht, dass wir uns gegenseitig kennenlernen. In seinen beiden Peulot konnte er sich ein gutes Bild von unseren Ideen und Meinungen zu Israel machen und wir konnten erfahren, welche Möglichkeiten es derzeit gibt, in Israel zu studieren oder einen Schulabschluss zu machen. Wir sind uns sicher, dass aus dieser ersten Begegnung noch viel wachsen kann. Jakob Walbe, den viele von uns noch aus seiner Netzer-Zeit kennen, kam dieses Mal als Vertreter von arzenu Deutschland. Arzenu ist die zionistische Organisation innerhalb des Reformjudentums. Jakob war es in seinen Workshops vor allem wichtig, dass wir die aktuelle politische Situation in Israel kennen lernen. So waren die Demos in Tel-Aviv Thema, genauso wie die Frage, ob in Bussen in Israel Männer und Frauen getrennt sitzen sollten. Bei Nana-Tee konnten wir diese beiden so wichtigen Themen richtig gut diskutieren.

Das aber vielleicht Wichtigste und Bedeutendste an diesem Machane war aber etwas ganz Anderes. Zum ersten Mal hatten wir eine ganze Gruppe von Teilnehmern aus Polen dabei. Das war aus verschiedenen Gründen eine Herausforderung, die wir aber alle zusammen sehr gut gemeistert haben. Zum einen war die Teilnahme der Gruppe von Beit Warschau sehr kurzfristig geplant, zum anderen hatten wir Fragen von der Anreise und Finanzierung bis zur Sprache zu klären. Alle Fragen konnten wir lösen: Die An- und Abreise erfolgte mit dem Nachtzug aus Warschau, durch einen großen Zuschuss vom Auswärtigen Amt konnten wir die Teilnahmegebühren für unsere polnischen Gäste deutlich senken und am Ende hatten wir ein Machane, auf dem viele Sprachen nebeneinander gesprochen wurden: Polnisch, Englisch, Russisch, Französisch, Deutsch, Hebräisch und so weiter. Jeder von uns ist mit vielen neuen Worten und vielen neuen Freunden nach Hause gereist. Ein weiteres Wunder!

Ein paar kleine Höhepunkte aus dem Programm: Wir waren Eislaufen, Schwimmen, Wandern, hatten eine Führung durch das Haus der Geschichte und hatten einen Zirkus-Tag, an dem wir selbst die Artisten sein konnten. Wir hatten jeden Abend ein anderes, neues und unterhaltsames Abendprogramm und viele Peulot. Nur eines hatten wir nicht: Schnee und Langeweile.

Danke an: das Abraham Geiger Kolleg, arzenu Deutschland, das Auswärtige Amt, Beit Warschau, das Haus der Geschichte, JDC, den Vorstand der UPJ, Sonja, Tom, Sergej, Jakob und Sarah UND NATÜRLICH an alle Madrichim, Chanichim und an die Leiter des Naturfreundehaus in Berg.

Kol ha Kavod an alle (Alle Ehre!)

Adrian Michael Schell
Jugendleiter
UPJ Netzer
Diesterwegstraße 7
33604 Bielefeld
0521-3043185