Israel Jacobson Preis

Israel-Jacobson-Preis 2018 für Ministerpräsident Bodo Ramelow

Bodo Ramelow (li), Dr. Josef Schuster

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) ist mit dem Israel-Jacobson-Preis der Union progressiver Juden in Deutschland ausgezeichnet worden. Er erhielt die Ehrung am 7.5.2018 im Erfurter Rathaus unter anderem in Anerkennung seiner Verdienste um die akademische Rabbinerausbildung in Deutschland.

Ramelow habe sich für die Kantorenausbildung an der Weimarer Musikhochschule starkgemacht, erklärten die Preisgeber. Zudem wären ohne seine Initiative die Thüringer Achava-Festspiele nicht möglich gewesen.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sagte in seinem Grußwort: »Bekenntnisse zu Israel und zur deutschen Verantwortung für Israel sind in der deutschen Politik zum Glück nach wie vor die Regel. Allerdings füllen nicht alle Politiker ihre Worte gleichermaßen mit Leben aus. Bodo Ramelow gehört zu jenen, die sich aus Überzeugung und glaubwürdig für Israel einsetzen.«

Der Ministerpräsident Thüringens fördere mit großem Engagement auch das jüdische Leben in seinem Bundesland, so Schuster weiter: »Er ist für unsere jüdischen Gemeinden ein verlässlicher Partner. Die Achava-Festspiele, deren Schirmherren wir beide sind, wären ohne das Engagement des Ministerpräsidenten nicht denkbar. Die Festspiele schlagen mit ihrem Programm jährlich eine Brücke zwischen den Religionen und sind damit sehr kostbar für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt.»

Der Zentralratspräsident hob außerdem hervor: »Und wenn Erfurt Kippa trägt und damit ein Zeichen der Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft setzt, dann ist auch Bodo Ramelow mit Kippa auf der Straße.«

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, würdigte in ihrer Laudatio Ramelow als Menschen, für den Gerechtigkeit eine Triebfeder seines Denkens und Handelns »war, ist und bleibt«. Nicht erst seit seiner Wahl zum Ministerpräsidenten im Dezember 2014 mache der frühere Gewerkschaftsfunktionär immer wieder deutlich, »dass Rassismus, Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit in unserer Gesellschaft keinen Platz haben«, sagte Knobloch laut Redemanuskript. Den Text der Laudation können Sie weiter unten abrufen.

So habe er sich als einer der Ersten dem Appell angeschlossen, in Erfurt eine Kippa zu tragen. Ramelow ist aus Sicht Knoblochs nicht nur mit dieser Aktion »leider vielen um einiges voraus«. Gerade mit der Benennung, Verurteilung und Ächtung der neueren Formen von Antisemitismus übten sich zu viele in Politik, Bürgerschaft und Medien in großer Zurückhaltung, »um nicht zu sagen: Doppelzüngigkeit«, kritisierte sie.

Die Auszeichnung ist nach dem Begründer des liberalen Judentums in Deutschland, Israel Jacobson (1768–1828), benannt. Sie wird seit 2001 alle zwei Jahre verliehen. Die Union progressiver Juden in Deutschland mit Hauptsitz in Bielefeld wurde 1997 gegründet und vertritt derzeit nach eigenen Angaben bundesweit 26 liberale jüdische Gemeinden und Organisationen.

Der Text wurde mit freundlicher Genehmigung aus der „Jüdischen Allgemeine“, Ausgabe vom 8.5.2018 übernommen.
Fotos: Tobias Barniske

Textlaut der Laudation von Charlotte Knobloch

Bild links:
Sonja Guentner, Vorsitzende der European Union for Progressive Judaism, Petra Pau, Bundestagsvizepräsidentin, Katrin Göring-Eckardt, Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Germana Alberti vom Hofe, Bodo Ramelow, Ministerpräsident des Freistaats Thüringen, Prof. Dr. Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen und Direktoriumsmitglied des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland (von links nach rechts)

Bild rechts:
Preisübergabe: Rabbiner Prof. Dr. Dr. Walter Homolka, Vorsitzender der Union progressiver Juden in Deutschland und Rektor des Abraham Geiger Kollegs, Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Bodo Ramelow, Ministerpräsident des Freistaats Thüringen, Deborah Tal-Rüttger, stellv. Vorsitzende der Union progressiver Juden in Deutschland und Vorsitzende der Jüdischen Liberalen Gemeinde Region Kassel (von links nach rechts)

 

Frühere Preisverleihungen

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