UpJ wehrt sich gegen Angriffe des Zentralrats der Juden

UpJ wehrt sich gegen Angriffe des Zentralrats der Juden

UpJ wehrt sich gegen Angriffe des Zentralrats der Juden 1372 848 Union Progressiver Juden

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Gründung einer Trägerstiftung für die Ausbildung liberaler Rabbinerinnen und Rabbiner sowie Kantorinnen und Kantoren angekündigt, die an Stelle des Abraham-Geiger-Kollegs (AGK) die finanziellen Zuwendungen aus dem Staatsvertrag auf Bundesebene und weiterer staatlichen Stellen erhalten soll. Der Zentralrat begründet dies damit, dass Untersuchungen beim Abraham Geiger Kolleg „erhebliche Missstände bei der Rabbinats- und Kantoratsausbildung“ zu Tage gebracht hätten. Diese Behauptung entspricht nicht den Tatsachen. Die vom Zentralrat beauftragte Kanzlei Gerke Wollschläger hat sich nicht mit der Form und den Inhalten der Rabbinats- und Kantoratsausbildung befasst, wie es die Erklärung des Zentralrats sugerriert, und konnte somit auch keine diesbezüglichen Missstände feststellen. Gegenstand der Untersuchung waren persönliche Beschuldigungen gegen den damaligen Rektor des AGK Rabbiner Professor Dr. Walter Homolka, deren straf- und disziplinarrechtliche Relevanz umstritten ist. In dem diesbezüglichen Rechtsstreit zwischen Rabbiner Homolka und dem Zentralrat hat das Gericht einen Vergleich vorgeschlagen, mit dem sich der Zentralrat verpflichtet, die Vorwürfe gegen Rabbiner Homolka nicht zu wiederholen und den Abschlussbericht der Untersuchung zurückzuziehen.

Unzutreffend ist auch die Behauptung des Zentralrats, eine Trägerschaft durch eine Stiftung sei „zur Gewährleistung einer guten, angstfreien und langfristig stabilen Ausbildung der Studierenden“ geboten. Die dafür notwendigen internen Strukturen und Kontrollmechanismen hat das AGK bereits unter der jetzigen Trägerschaft überprüft und verbessert. Auch das orthodoxe Rabbinerseminar zu Berlin wird nicht von einer Stiftung getragen, sondern von einem gemeinnützigen Verein ohne institutionelle Einbindung des Zentralrats.

Schließlich ist die Behauptung falsch, das AGK besitze „in seiner derzeitigen Verfasstheit und Trägerschaft“ nicht mehr ein „Ordinationsrecht, dass durch die organisierte Religionsgemeinschaft anerkannt und akzeptiert ist“. Dem Zentralrat als der politischen Vertretung der in ihm zusammengeschlossenen Landesverbände und Gemeinden steht überhaupt nicht zu, über eine religionsrechtliche Anerkennung der Ordination (Smicha) von Rabbinerinnen und Rabbinern zu entscheiden oder eine solche Entscheidung der ihm angehörenden Gemeinden vorzugeben. Da sich die Voraussetzungen für das Studium, die Studieninhalte und die Form des Studiums am AGK seit seiner Gründung nicht geändert haben, besitzten die dort ordinierten Rabbinerinnen und Rabbiner weiterhin die Anerkennung der unabhängigen Organisationen und Institutionen des liberalen Judentums, namentlich der Union progressiver Juden in Deutschland (UPJ), der European Union for progressive Judaism (EUPJ) und der World Union for Progressive Judaism (WUPJ), sowie deren rabbinischen Konferenzen, wie der weltweit maßgeblichen Central Conference of American Rabbis (CCAR). Auch die Anerkennung der rabbinischen Abschlüsse des AGK durch die deutsche Allgemeine Rabbinerkonferenz (ARK), mit der die UPJ zusammenarbeitet, besteht fort; ein gegenteiliger Beschluss der dafür zuständigen ARK-Gremien liegt, anders als der Zentralrat behauptet, nicht vor.

Durch Vorspiegelung falscher Tatsachen versucht die Führung des Zentralrats, das Abraham Geiger Kolleg als unabhängige Ausbildungsstätte für liberale Rabbinerinnen und Rabbiner von der Finanzierung aus staatlichen Mitteln auszuschließen und damit faktisch seine Existenz zu vernichten. Dies ist – nach der vom Zentralrat betriebenen Gründung eines unselbständigen Verbandes liberaler Gemeinden – ein weiterer Versuch, das liberale Judentum in Deutschland unter seine Kontrolle zu bekommen. Es ist auch ein Versuch, die staatlichen Stellen zu manipulieren und sie zu einem verfassungswidrigen Eingriff in die Pluralität der jüdischen Gemeinschaft zu verleiten.

Jan Mühlstein, Vorsitzender der UPJ von 1999 bis 2011 (Foto: UpJ, 2024)

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